Beispiele der Initiative für nachhaltige Logistik „Lean and Green“ zeigen, dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind
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Logistik  |  28.09.2015

Lohnenswerte Kombination

Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie bringt Unternehmen wirtschaftliche Vorteile: Das belegen Beispiele aus der Lean and Green Initiative. Großes Potenzial haben Kooperationen.

Lean and Green

Lean and Green

Lean and Green ist eine internationale, branchen­übergreifende Auszeichnung. Sie wird seit 2013 jährlich an Unternehmen verliehen, die sich in einem Aktions­plan verpflichten, ihre Kohlendioxid­emissionen in ihrer Logistik innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent zu senken. In Deutschland wird die Initiative durch GS1 Germany betrieben. Die Prüfung der Berechnungen und Maßnahmen erfolgt durch den TÜV Nord. Die Auszeichnung identifiziert die Unternehmen als Mitglieder der Initiative.

Eine Idee setzt sich durch: Im Oktober 2013 ist die Initiative für nachhaltige Logistik „Lean and Green“ auch in Deutschland an den Start gegangen. Bis heute wurden 13 Unternehmen mit dem „Lean and Green Award“ ausgezeichnet. Europaweit sind es mehr als 400 Teilnehmer. Sie stammen aus den Beneluxländern, Deutschland und Italien. Und die Initiative nimmt weiter Fahrt auf: Auch aus Frankreich, Österreich und der Schweiz melden sich interessierte Unternehmen. Das zugehörige Zertifikat dürfen die Gewinner sofort in ihrer Öffentlichkeitsarbeit sowie bei Ausschreibungen nutzen. Weitere in Euro und Cent messbare Vorteile kommen hinzu, wie erste Erfahrungen von Preisträgern wie BLG Handelslogistik, Chep und Lidl belegen.

„Die effiziente Nutzung der  Kapazitäten über die gesamte Supply Chain ist unerlässlich.“

Einer der Vorreiter der Initiative in Deutschland ist Chep, ein global führender Anbieter von Pooling für Paletten und Behälter. Beim Pooling tauschen Unternehmen standardisierte Ladeeinheiten untereinander aus und vermeiden so Rücktransporte leerer Paletten und Behälter. Geschäftsführer Christophe Campe berichtet: „Bereits sieben Monate nach dem Startschuss für die Initiative erhielten wir den Lean and Green Award für unseren Aktionsplan, in dem wir uns verpflichtet haben, innerhalb von fünf Jahren 20 Prozent CO2 einzusparen. Heute stehen wir kurz vor der Erreichung dieses Ziels.“ Damit wird Chep wahrscheinlich zu den ersten Unternehmen in Deutschland zählen, die den „Lean and Green Star“, das Zertifikat für ein erfolgreich abgeschlossenes Programm, erhalten. Bereits durch die Einführung einer neuen Viertelpalette habe Chep den CO2-Ausstoß bei Transporten der Ladungsträger durch ganz Deutschland reduziert. Eine weitere zugkräftige Maßnahme sei die fortwährende Transportoptimierung innerhalb von Chep und zusammen mit Kunden und Logistikdienstleistern. Durch die Einführung neuer Services könnten Kunden direkt aus dem Handel beliefert werden, sagt Campe. Und betont: „Dadurch wird mindestens eine Fahrt und somit Kohlendioxid gespart.“

Erfolgreich im Verbund

Große Erfolge verspricht er sich von Transport-Kollaborationen. Nur im Verbund mit allen Partnern könnten die ambitionierten Ziele erreicht werden. Die Lean and Green Initiative in Benelux gehe mit gutem Beispiel voran. „Hier sind nicht nur Firmen im Netzwerk organisiert, sondern auch Gemeinden, Städte, Häfen und Organisationen. Alle arbeiten gemeinsam am Ziel der nachhaltigen CO2-Reduzierung“, sagt der Geschäftsführer. Als Beispiel für Kooperationen nennt Campe die Zusammenarbeit mit Henkel. Um Transportwege und somit Treibhausgase einzusparen, habe man gemeinsam eine optimierte Lösung zur Versorgung des Werkes in Düsseldorf implementiert. Auch Lidl zeigt, wie es geht. Der Lebensmittelkonzern bekam in diesem März den Lean and Green Award. Durch eine optimierte Tourenplanung, die Reduktion der Leerfahrten und die Vermeidung kleinteiliger Lieferungen sowie zusätzlich die Verlagerung von Transporten vom Lkw auf Bahn und Binnenschiff will Lidl den CO2-Ausstoß in der Lieferkette um mehr als 42 000 t pro Jahr reduzieren. Dies erklärte Christian Stangl, Geschäftsführer Einkauf International der Lidl Stiftung & Co. KG, anlässlich der Preisverleihung auf dem Handelslogistik-Kongress in Köln. Lidl zählt 38 Zentrallager zur Versor- gung der Filialen in Deutschland. Der Discounter setzt dabei auf die Kooperation mit seinen Lieferanten wie der Unilever-Gruppe. „Damit wollen wir Potenziale erschließen, die ein Unternehmen ohne ein anderes nicht erschließen kann“, sagte Stangl. Und auch Patricia van Haaren, Logistics Director DACH & Nordics der Unilever Supply Chain Company, hebt hervor: „Wir können den CO2-Ausstoß im gemeinsamen Geschäft um mindestens fünf Prozent oder mehr als 100 Tonnen senken und dadurch rund 250 volle Lkw im Jahr einsparen.“

Gemeinsamer Standard notwendig

Allein 100 Lkw könnten über eine verbesserte Ausnutzung des Laderaums durch eine Veränderung der Palettenhöhe ersetzt werden. Beinahe halbieren ließe sich die Zahl der Transporte durch die Einführung von Mindestbestellmengen. Ausbauen wollen Lidl und Unilever auch die Zusammenarbeit beim intermodalen Verkehr, bei den Rückfrachten und Rundläufen sowie bei der Vermeidung von Leerkilometern. Voraussetzung dieser Kooperation seien aber gemeinsame Bewertungsstandards, betonte Stangl. Eben aus diesem Grund nehme Lidl an der Lean and Green Initiative teil. Ein weiteres Beispiel ist die BLG Logistics. Deren Geschäftsfeld Handelslogistik bekam ebenfalls im März den Preis für ihren Aktionsplan. Um ihn zu erarbeiten, hat Vanessa Claessens, Lean and Green Projektleiterin bei der BLG, zusam¬men mit ihrem Team, mehrere Standorte inspiziert. Weil die Unternehmensgruppe jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht erstelle, sei die Da¬tengrundlage vorhanden gewesen. Der TÜV habe dann sämtliche Ist-Daten – Basisjahr ist 2013 – geprüft. 

Seit Anfang 2014 setzt das Geschäftsfeld Handelslogistik das Vorhaben nun um. Die Maßnahmen sind zum Teil recht simpel, aber effektiv. „Wir haben zum Beispiel alte Lampen durch energiesparende und langlebige LED-Lampen ausgetauscht“, berichtet Claessens. Zudem habe man unter anderem für Heiß-Kalt-Anlagen zur Temperierung von Lagerhallen präzise Vorgaben gemacht. Allein dadurch seien der Energieverbrauch und damit der CO2-Ausstoß gesunken. Claessens unterstreicht: „Effektive Reduktionsmaßnahmen müssen nicht immer mit hohen Investitionskosten verbunden sein.“

Mitglieder gewinnen

Auch bei Kaufland Dienstleistung sind einfachere Mittel Teil eines erfolgreichen Maßnahmenmixes. So legt das Neckarsulmer Unternehmen zum Beispiel bei der Beleuchtung den Fokus auf LED-Technologie. Weitere Maßnahmen zur CO2-Reduzierung sind: ein neues Energiecontrolling, der optimierte Einsatz von Kältemitteln, eine höhere Volumenauslastung bei Transporten, mehr Oneway-Touren zur Vermeidung von Leerfahrten und reduzierte Transportwege durch ein neu in Betrieb genommenes Verteilzentrum. Kaufland konnte so bezogen auf das Startjahr eine Reduzierung der CO2-Emissionen um knapp 30 Prozent bewirken – das entspricht einer Gesamtmenge von rund 30.000 Tonnen CO2. Damit wurde das Ziel, bei den Logistikprozessen innerhalb von fünf Jahren den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren, von dem Handelsunternehmen mittlerweile erreicht bzw. sogar übertroffen. „Unser Ziel ist es, eine Auszeichnung mit dem Lean and Green Star zu erlangen. Durch gezielten Wissens- und Erfahrungsaustausch möchten wir zudem unsere Spediteure dazu motivieren, sich ebenfalls an Lean and Green zu beteiligen und so neue Mitglieder für die Initiative gewinnen“, erklärt Jens-Tomas Skuderis, Leiter Distributionslogistik International bei Kaufland.
Es lohnt sich also, an der Initiative teilzunehmen (siehe Kasten: „Vorteile für Unternehmen“). Als sie vor zwei Jahren aus den Niederlanden nach Deutschland kam, dachte so mancher Unternehmenslenker und Bereichsleiter Logistik zunächst nur an noch eine weitere Nachhaltigkeits-Initiative. Aber das war zu kurz gedacht. Weitsichtige Manager erkannten schnell, dass bei diesem praxisnahen Ansatz Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind. Nicht umsonst steht das Adjektiv „lean“ am Anfang des Namens. Denn Voraussetzung für den Beitrag zum Klimaschutz sind schlankere Prozesse in der Logistik von Händlern und Herstellern. Im Ergebnis profitiert jedes teilnehmende Unternehmen von diesem Ansatz. Einzel- und Allgemeinwohl gehen Hand in Hand.

Vorteile für Unternehmen

Die Logistikeffizienzinitiative bringt ihren Teilnehmer vielfachen Nutzen:

1. Bereits eingeleitete Maßnahmen zur CO2 Reduzierung können durch Lean& Green berücksichtigt, validiert und eindeutig kommuniziert werden.

2. Der Lean & Green Aktionsplan sichert ein standardisiertes Monitoring der ergriffenen Maßnahmen und kann individuell für jedes Unternehmen angepasst werden.

3. Die im Aktionsplan definierten Maßnahmenkönnen Bestandteil des Energieaudits sein, wodurch sich einperfektes Zusammenspiel zwischen beiden Aktivitäten ergibt.

4. Schlanke Prozessgestaltung zur Reduzierung von Kosten und zur Verbesserung der Ergebnisse ist einwesentlicher Bestandteil.

5. Lean & Green ist außerdem eine Kommunikationsplattform, die kooperative Ansätze verfolgt und den partnerschaftlichenAustausch in der Nachhaltigkeits-Community zum Ziel hat.

Foto: lassedesignen/fotolia.com
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