Christian Bodi, Geschäftsführer Logistik bei dm-drogerie markt.
Kai Könecke, Vice President Supply Chain bei Unilever Deutschland sowie Mitglied im Aufsichtsrat von GS1 Germany.
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Supply Chain Management  |  15.12.2014

Ladungsträgermanagement

Bereits zu Beginn des Produkt­entstehungs­prozesses sollten alle Beteiligten an die „perfekte Palette“ denken, sagt Christian Bodi von dm-drogerie markt. Und Kai Könecke von Unilever Deutschland will branchenweit das Handling in Kommissionier­bereichen stark vereinfachen.

STANDARDS: Herr Könecke, was können Händler wie Herr Bodi tun, um Ihnen das Leben in puncto Mehrwegtransportverpackungen leichter zu machen?

Kai Könecke: Einheitliche Lösungen über die Handelslandschaft hinweg sind für uns unabdingbar, wenn wir in diesem Bereich weiterkommen wollen. Dies ermöglicht auch eine effiziente Lösung des „Rücktransportes“. 

STANDARDS: Überlastete Infrastrukturen, Einschränkungen für den innerstädtischen Verkehr und immer individuellere Kundenwünsche stellen die urbane Logistik vor Herausforderungen. Was muss im Ladungsträgermanagement passieren, damit sich Warenströme effizient bündeln lassen?

Kai Könecke: Auch hier sind kundenindividuelle Lösungen kontraproduktiv. Die Wege der leeren Ladungsträger müssen möglichst kurz gehalten werden.

"Die Wege der leeren Ladungsträger müssen möglichst kurz gehalten werden.“

Kai Könecke, Vice President Supply Chain Unilever Deutschland

STANDARDS: Güte- und Tauschkriterien wurden auf einer Plattform von GS1 Germany erarbeitet und verabschiedet. Die Ergebnisse wurden im November 2014 veröffentlicht. Wie setzen Sie diese um, und wie binden Sie die Logistikdienstleister mit ein?

Kai Könecke: Wir setzen nur in wenigen Bereichen klassische Euro-Paletten ein, aber dort, wo wir das tun, arbeiten wir mit unseren Logistikpartnern auf Basis der neuen Güte- und Tauschkriterien.

STANDARDS: Herr Könecke, wo sehen Sie noch Handlungsbedarf bei Unilever?

Kai Könecke: Wir sind sehr an einer Weiterentwicklung der Ladungsträger interessiert, z. B. Leichtpaletten auf Kartonbasis, die das manuelle Handling in Kommissionierbereichen stark vereinfachen. Auch hier machen aber nur Branchenlösungen Sinn, um effiziente Kreisläufe zu erzeugen.


„Es geht darum, den optimalen Kreislauf gemeinsam zu designen.“ 

Christian Bodi, Geschäftsführer Logistik bei dm-drogerie markt

STANDARDS: Herr Bodi, Herr Könecke und andere Lieferanten schicken Ihnen ca. 11.000 Paletten jeden Tag: Wo sehen Sie Optimierungspotenzial?

Christian Bodi: Wir haben zwei parallele Lösungen im Auge. Die erste: Bereits im Produktentstehungsprozess muss die „perfekte Palette“ gedanklich realisiert werden. Optimale Einwegtransportverpackungen bedeuten weniger Paletten bei gleicher Menge. Zudem sind sie Voraussetzung für automatisierte Prozesse. Die zweite Lösung: Der Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen (MTV) überall dort, wo die Umverpackung nur unnötigen Aufwand und keinen Nutzen erzeugt.

STANDARDS: Von der Palettenqualität bis zur Qualitätsanforderung an Ladungsträger gibt es ganz unterschiedliche Ansprüche an Lade- und Entladerampen. Liegt die Zukunft in der Automatisierung? 

Christian Bodi: Sicherlich spielt die Automatisierung in Zukunft eine wichtige Rolle in der Logistik. Dabei wird die Schnittstelle Rampe nicht ausgeklammert. Doch unserer Erkenntnis nach liegen die Potenziale weniger in der Schließung von Lücken an der Rampe, als vielmehr darin, die gemeinsam definierten Standards konsequent und korrekt anzuwenden.

STANDARDS: Die Lieferzeiten werden immer kürzer. Gleichzeitig erschweren strengere Umweltauflagen sowie Staus auf der Straße, am Hafen-Terminal und an der Rampe den Transport. Wie sieht für Sie angesichts dieser Rahmenbedingungen der optimale Kreislauf von Mehrwegtransportverpackungen aus?

Christian Bodi: Wir stellen uns vor, dass alle Prozessteilnehmer einen optimalen Kreislauf gemeinsam designen. Dabei denken wir an einen ganzheitlichen Ansatz, also von den Fabriken der Industrie über die Verteilzentren des Handels bis in die Filialen und über Sammelstellen wieder zurück an die Fabriken. 

STANDARDS: Herr Bodi, wo sehen Sie die größte Herausforderung beim Ladungsträgermanagement?

Christian Bodi: Die größte Herausforderung ist sicherlich die Typenvielfalt möglicher MTV. Und damit zusammenhängend die verursachungsgerechte Aufwandsverteilung an die beteiligten Partner.

Fotos: Jörn Wolter
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