Die Halbpalette droht, den Status eines Standards zu verlieren.
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Supply Chain Management  |  07.06.2016

Keine halben Sachen

Die sogenannte Düsseldorfer Halbpalette droht ihre tragende Stellung im Handel zu verlieren. Nachlassende Qualität und die Vielfalt unterschiedlicher Ladungsträger gefährden ihren Status als Standard. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Handel möchte GS1 Germany diese Schieflage geraderücken.

Die Halbpalette bietet mittlerweile ein trauriges Bild: Ramponierte Halbpaletten biegen sich unter der Last der Waren. Viele Paletten müssen bereits nach drei Umläufen ersetzt oder repariert werden. „Was als Mehrweg gedacht war, wird immer mehr zum Einweg-Ladungsträger. Die Halbpalette droht, den Status eines Standards zu verlieren“, warnt Thomas Niebur, Leiter des Competence Centers Supply Chain Management bei GS1 Germany. Inzwischen werden die Stimmen lauter, die fordern, dass sich jemand des Themas annimmt. „So wurde an GS1 Germany in den vergangenen Monaten von etlichen Unternehmen der Wunsch herangetragen, endlich wieder mehr Transparenz zu schaffen“, so Thomas Niebur. „Vor allem bei Vertretern der Getränkebranche wächst das Interesse.“

Vielfalt schadet

Das Problem: Zwar gibt es eine DIN-Norm für die Holz-Halbpalette, auch bekannt als Düsseldorfer Palette. Doch seit einigen Jahren überschwemmen zunehmend Billigimporte von mangelnder Qualität aus Osteuropa den deutschen Markt. Weil eine durchgängige Qualitätssicherung fehlt, mischen sich Paletten guter und schlechter Qualität. Die Folgen hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik 2015 in einer Studie beziffert. Demnach liegen die Gesamtkosten pro Umlauf zwischen 3,39 Euro und 4,81 Euro. Haupt-Kostentreiber sind Ersatz und Reparatur beschädigter Paletten sowie das physische Handling, das durch unterschiedliche Ladungsträgertypen zusätzlich erschwert wird. „Die Düsseldorfer Palette war mal ein Erfolgsmodell. Aufgrund mangelnder Qualitäts- und Güteüberwachung ist sie allerdings zu einer oft unansehnlichen Einwegpalette verkommen“, hatte Martin Leibrandt, CEO der EPAL und Mitglied der Gütegemeinschaft Paletten, 2014 in der Deutschen Verkehrs-Zeitung beklagt. Als Reaktion setzt der Handel zunehmend eigene Halbpaletten ein. Aber: Jede Sonderlösung treibt die Kosten und die Komplexität.

Höchste Zeit zum Handeln

Bisher sind verschiedene Ansätze erkennbar, um das Problem in den Griff zu bekommen. So erarbeitet der DIN Arbeitsausschuss Paletten derzeit auch für Halbpaletten aus Kunststoff eine Norm. Daneben versucht die European Pallet Association (EPAL), die Düsseldorfer Halbpalette im Markt zu rehabilitieren. 2014 hat die Organisation eine neue, dreikufige Halbpalette eingeführt, die im Dialog mit Handel und Industrie entwickelt wurde. „Doch auch die EPAL Halbpalette konnte sich bislang nicht als Standard etablieren“, stellt Thomas Niebur fest. Daher sucht GS1 Germany zurzeit das Gespräch mit Marktteilnehmern, um folgende Fragen zu erörtern: Soll GS1 Germany das Thema aufgreifen und gemeinsam mit den interessierten Unternehmen die möglichen Handlungsfelder herausarbeiten? Welche Themenschwerpunkte können jetzt schon genannt werden? Wie könnte ein mögliches Ergebnis dieser Aktivität aussehen? „Der Markt muss handeln“, appelliert Thomas Niebur zusammenfassend. „Und zwar jetzt!“

Foto: EPAL
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