Eine unscheinbare Box aus blauem Kunststoff könnte die Handelslogistik revolutionieren. Was in ihr steckt, hat sie bei einem Testlauf schon bewiesen.
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Logistik  |  08.06.2017

Fertig ist die Kiste

Mit Spannung erwartet, ist er jetzt fertig: der Prototyp eines Standard-Mehrwegbehälters zur Handelsbelieferung. Händler und Hersteller sind eingeladen, die Box in ihren Prozessen einzusetzen.

Der Behälter sieht unscheinbar aus, und doch könnte er die Handelslogistik revolutionieren: eine blaue Kunststoffbox mit den Außenmaßen 600 mal 400 Millimeter, geplant in drei Höhen. Auf dem Handelslogistik Kongress im März stellte GS1 Germany den Prototypen einer standardisierten Mehrwegtransportverpackung (MTV) zur Handelsbelieferung erstmals vor. Die Boxen sind so konzipiert, dass sie sowohl für die in Deutschland übliche Palettenladehöhe von 1,05 Metern genutzt werden können als auch der EUL-Norm mit 2,40 Metern entsprechen. Darüber hinaus können die wiederverwertbaren Transportbehälter durch den Einsatz von GS1 Standards als Informationsträger für Daten dienen, die in Echtzeit zur Verfügung ständen. Insgesamt ergibt sich ein Behältersystem, das die Effizienzvorteile einer Standardisierung nutzt und gleichzeitig individuelle Prozesse und Differenzierungen erlaubt.

Weniger umpacken und Müll

Mit dieser „tollen Kiste“ wollen sieben große Händler und sechs Hersteller die Logistik der FMCG-Branche revolutionieren. Beteiligt sind dm-drogerie markt, Edeka, Kaufhof, Karstadt, Müller, Real und Rossmann sowie auf Indus-trieebene Beiersdorf, Cosnova Beauty, Henkel, L´Oréal, Procter & Gamble und Unilever. Ihre Idee: Statt in zig verschiedenen Sekundär- und Tertiärverpackungen aus Karton und Schrumpffolie sollen kleine Langsamdreher wie Deo oder Duschgel in Zukunft in einem Standardbehälter von den Fabriken in die Zentralläger der Filialisten transportiert werden. Dort entfielen das Auspacken und Umverteilen in händlereigene Mehrwegboxen. Die Vorteile des einheitlichen Systems liegen auf der Hand: verschlankte Prozesse, geringere Kosten, weniger Verpackungsmüll, ein hoher Automatisierungsgrad entlang der Lieferkette, bessere Auslastung von Paletten und Laderaum.

Video: Der Prototyp im Praxistest

Weniger Rampenkontakte und CO2

Das Einsparpotenzial der relevanten logistischen Prozesskosten liegt bei durchschnittlich 20 Prozent.  Es wurde im vergangenen Jahr in einem Testlauf ermittelt. Dabei ersetzten insgesamt 6.000 Mehrwerttransportkisten mit Artikeln aus dem Drogeriesortiment vorübergehend die Belieferung des Handels mit Einwegkartons. Die hier erkennbaren Möglichkeiten fasst Thomas Niebur, Leiter des Competence Center Supply Chain Management bei GS1 Germany, so zusammen: „Mit einem standardisierten Behälter entfallen nicht nur unnötige Prozessschritte wie Umpacken in den Zentrallägern. Auch auf Sandwichpaletten könnte verzichtet und damit der Laderaum im Lkw besser ausgenutzt werden. Im Endeffekt heißt das auch weniger Rampenkontakte.“ Noch zu ergänzen wäre, dass aufgrund des verringerten Lkw-Einsatzes auch der CO2-Ausstoß sinkt und die Umwelt profitiert.Angesichts der Vorteile sollen die Mehrwegtransportbehälter künftig auch für andere Warengruppen genutzt werden. GS1 Germany strebt nach der Standardisierung in Deutschland in absehbarer Zeit die Umsetzung in weiteren Unternehmen und einen europäischen Standard an. Interessierte Hersteller und Händler sind eingeladen, die Behälter in den eigenen Prozessen einzusetzen.

Bildquelle: GS1 Germany
GS1 Germany
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