Der elektronische Datenaustausch EDI versetzt Unternehmen in die Lage, Transaktionen schnell, sicher und nachvollziehbar durchzuführen.
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Elektronischer Datenaustausch  |  09.12.2016

EDI bei Lidl lohnt sich

Wenn Lidl etwas anpackt, dann richtig. In 27 Ländern stellen das Lebensmittel-Einzelhandelsunter­nehmen und sein Partner Nestlé Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen auf Electronic Data Interchange (EDI) um. Diese Investition zahlt sich für beide Seiten aus – und ebenso für die Endkunden.

EDI mit GS1 Standards ist für uns ein Weg, Aufwand und Kosten zu reduzieren. Die Ein­sparungen geben wir an den Kunden weiter, den wir als wichtigste Person unseres Unternehmens verstehen.

Maximilian Wirnharter, Bereichsleiter Einkauf International, Lidl Stiftung & Co. KG

Im Lebensmitteleinzelhandel gehört Lidl zu den ganz Großen. Nicht nur in Deutschland. Wer im europäischen Ausland unterwegs ist, dem wird das bekannte Logo mit dem schräggestellten „i“ auch dort auffallen – von Portugal bis Litauen, von Irland bis Malta. Rund 10.000 Lidl Märkte, zusammengefasst in Tochtergesellschaften unter dem Dach der Lidl Stiftung & Co. KG mit Hauptsitz in Neckarsulm, gibt es zurzeit in 27 europäischen Ländern. Entsprechend gigantisch ist die Datenmenge, von der die Warenströme in einem Unternehmen dieser Größe begleitet werden, zumal Lebensmittel unter den sogenannten Fast Moving Consumer Goods ganz besonders „fast“ sind. Mehrere 10.000 Bestellungen täglich können da zusammenkommen. Um das Daten-Handling effizient zu gestalten, hat Lidl bereits im Jahr 2007 den elektronischen Datenaustausch EDI für Rechnungen eingeführt. Bestellungen und Lieferavise werden bislang häufig noch per Fax oder in Papierform übermittelt bzw. die Disponenten von Lidl stimmen sich telefonisch mit ihren Kollegen auf Lieferantenseite über die Verfügbarkeit der gewünschten Waren ab. Solche Prozesse sind fehleranfällig, bedeuten für die Mitarbeiter Zeitaufwand und für Lidl folglich Kosten. Im schlimmsten Fall könnte es dazu kommen, dass die Ware nicht zur richtigen Zeit in der gewünschten Menge am rechten Ort und somit für den Käufer nicht verfügbar ist.

Kooperation mit dem Schlüssel­partner Nestlé

Ständige Verfügbarkeit aller Produkte des Sortiments sowie der Kunde als wichtigste Person des Unternehmens sind bei Lidl fest in den Verhaltensgrundsätzen verankert. „Um diesem Anspruch bestmöglich gerecht zu werden und im Sinne einer funktionierenden Prozessintegration zu handeln, entschieden wir uns vor rund zwei Jahren, das Thema EDI weiter voranzutreiben“, erklärt Maximilian Wirnharter, Bereichsleiter Einkauf International der Lidl Stiftung & Co. KG. „Dies taten wir in enger Kooperation mit einem unserer bedeutendsten Markenlieferanten, der Nestlé Deutschland AG.“ Projektiert wurden Einführung und Rollout von EDI mit den EANCOM®-Nachrichtentypen ORDERS (Bestellungen), DESADV (Lieferavise) und INVOIC (Rechnungen). In der Ausgangssituation verfügten die beiden Unternehmen über unterschiedliche Erfahrungen, was auch bedeutet: Sie ergänzten sich sehr gut und hatten die Chance, wechselseitig zu profitieren. „Beispielsweise gab es bei Lidl bis dato keinen definierten EDI-Gesamtprozess, dafür aber verschiedene EDI-Teilprojekte. Auch hatten wir wenig Erfahrung mit ORDERS und DESADV“, wie Maximilian Wirnharter erläutert. Auf der anderen Seite hatte die Nestlé Deutschland AG keine vollständige Kenntnis über die EDI-Aktivitäten der Nestlé-Organisationen anderer europäischer Länder. Ein Ziel des gemeinsamen Projekts war es aber, dass Nestlé Deutschland gegenüber Lidl zum zentralen Ansprechpartner für alle 27 Länder werden sollte, die den gemeinsamen Markt beider Unternehmen bilden. „So gab es für Nestlé die hervorragende Möglichkeit, in einen intensiveren Austausch zum Thema EDI mit anderen Nestlé Märkten zu kommen“, so Michael Moise, Leiter des EDI Kompetenzcenters der Nestlé Deutschland AG und Projektleiter für den internationalen EDI Rollout mit Lidl seitens Nestlé.

Der internationale EDI Rollout mit Lidl ist für Nestlé die beste Gelegenheit, EDI Standards auch in anderen Nestlé Märkten zu etablieren. Es ist für uns ein wichtiger Meilenstein in der Kundenbeziehung zu Lidl International.

Michael Moise, Leiter EDI Kompetenzcenter, Nestlé Deutschland AG

Stammdaten als Ansatzpunkt

Sowohl bei Lidl als auch bei Nestlé waren die Stammdatenlandschaften heterogen und unvollständig. Der Abgleich und Austausch der relevanten Stammdaten bildete daher einen wichtigen Prozessschritt, bevor ab Sommer 2015 der internationale Rollout aller drei Nachrichtentypen erfolgen konnte. Vorausgegangen waren Schritte wie die Implementierung eines EDI-Gesamtprozesses, die gemeinsame Umsetzung des GS1 Standards EANCOM® sowie die technische Konfiguration der Kommunikationswege. Derzeit wird der elektronische Datenaustausch zwischen Lidl und Nestlé sukzessive in den Ländern von der Projektphase ins Tagesgeschäft überführt. „Unsere bisherigen Erfahrungen damit sind ausgesprochen positiv“, betont Maximilian Wirnharter. „Fehlbestellungen sind aufgrund der eindeutigen Identifikation mittels der globalen Artikelnummer GTIN praktisch ausgeschlossen, ebenso wie das Verwechseln von Waren. Zusammenfassend lässt sich sagen: EDI hilft Lidl dabei, die richtige Ware zum besten Preis für den Kunden in den Markt zu bringen.“ Aufbauend auf den gemeinsamen Erfahrungen mit dem Partner Nestlé plant Lidl die nächsten Schritte. So ist vorgesehen, dass beide Unternehmen von Anfang an EDI auch in Serbien und den USA implementieren, wo Lidl in naher Zukunft ebenfalls Märkte eröffnet. Darüber hinaus ist das erfolgreiche Projekt mit Nestlé zur zentral gesteuerten Einführung von EDI in allen Lidl Ländern dafür prädestiniert, als Beispiel für weitere Lidl Lieferanten zu dienen.

Foto: Lidl
GS1 Germany
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