Wenn sich Händler und Hersteller zusammentun, lässt sich die Zahl der Transporte verringern. Genau das ist die Idee hinter einer neuen Form der Kooperation.
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Verbundprojekt NexTrust  |  08.06.2017

Auf dem Weg zur grünen Logistik

Eine neue Multi-Supplier-/Multi-Retailer-Plattform lässt erstmals die Kooperation in alle Richtungen zu – auch zwischen unterschiedlichen Herstellern. Treuhänder gewährleisten die Einhaltung des EU-Kartellrechts.

EU fördert Zusammenarbeit

EU fördert Zusammenarbeit

NexTrust ist ein EU-Förderprojekt im Rahmen des Forschungsprogramms Horizon 2020. Es setzt auf vernetzte Kooperationen entlang der gesamten Lieferkette, um die Effizienz und Nachhaltigkeit in der Logistik zu verbessern. Ziele sind unter anderem eine um die Hälfte bessere Auslastung der Transportmittel, eine Reduktion der Anzahl der Anlieferungen um 15 Prozent sowie eine Minderung der Treibhausgase um 70 Prozent. Weitere Informationen unter www.nextrust-project.eu.

Im Rahmen des EU-Förderprojekts NexTrust für eine „grüne Logistik“ haben jetzt acht Unternehmen einen neuen Typus von kollaborativer Partnerschaft erfolgreich getestet. Für den Pilot entwickelten die vier Gebäckhersteller Vondelmolen, Vermeiren Princeps, Poppies und Desobry sowie die Händler Delhaize Le Lion/De Leeuw, Colruyt, OKay und Retail Partners Colruyt Group eine neue Multi-Supplier-/Multi-Retailer-Plattform. Ziel war es, Transporte zu bündeln, um mit Ware unterschiedlicher Lieferanten die Lkw auszulasten und auf optimaler Route zu den Filialisten zu fahren. Das reduziert den Fahrzeugeinsatz und verringert den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids erheblich.

Neutrale Treuhänder

Die Lösung besteht aus zwei Schlüsselelementen. Erstens einem Lagerhaus, das als Güterverteilzentrum dient. Hier hält jeder teilnehmende Produzent einen Warenbestand verfügbar, den jeder Händler einsehen und bedarfsindividuell abrufen kann. Der zweite Baustein ist das Trustee Business Modell. Neutrale Treuhänder – die Trustees – schaffen für alle Projektpartner gesetzeskonforme Rahmenbedingungen. Denn das EU-Kartellrecht lässt wenig Spielraum für Kooperation.Bei der jetzt installierten Pilot-Plattform übernehmen die unparteiischen Begleiter Tri-Vizor und Giventis diese Rolle. Ihnen zur Seite steht die Anwaltskanzlei Kneppelhout & Korthals Advocaten. Gemeinsam eruieren sie, welche Informationen wirtschaftlich sensibel sind und nicht zwischen den Akteuren ausgetauscht werden sollten. Unterstützung erhielten die Beteiligten von der belgischen GS1 Organisation sowie von Wissenschaftlern der Vlerick Business School und der Vrije Universiteit Amsterdam.

Vertikale und horizontale Kooperation

Bisher vorhandene Plattformen wurden nur von einzelnen Händlern betrieben. Die neue Multi-Supplier-/Multi-Retailer-Plattform erlaubt zugleich die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern sowie horizontale Kooperationen von mehreren Herstellern und Händlern. Das Pilotprojekt wurde im März 2017 erfolgreich durchgeführt. Kühne + Nagel übernahm einen Großteil der Transporte über sein Distributionszentrum in Mechelen.Nun wollen die Projektpartner die Plattform in den Regelbetrieb überführen. Klar ist: Je mehr Hersteller und Händler aufspringen, desto höher ist nicht nur die CO2-Reduktion, sondern auch die Synergie und damit die Ersparnis in Euro und Cent. Weitere Süßwarenproduzenten und Handelsunternehmen haben bereits ihre Teilnahme signalisiert.

Bildqulle: Horst Wagner
GS1 Germany
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