ZUGFeRD stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, die Automatisierung aller Rechnungen im ein- und Ausgang in den Griff zu bekommen.
Alle Verbände haben sich zum Format ZUGFeRD bekannt und unterstützen es.
ZUGFeRD 1.0 stellt 'state of the art' des Datenmodells für elektronisch strukturierte Rechnungen dar.
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E-Commerce  |  10.09.2014

„Kosten sparen, Zahlungen beschleunigen“

Thema Nr. 1 im E-Business: das Rechnungsformat ZUGFeRD. Stefan Engel-Flechsig, Mitentwickler des Formats und internationaler Experte für elektronische Rechnungen, spricht über erste Brancheneindrücke und die Chancen des Projekts.

Seit 25.06.2014 steht die Freigabeversion 1.0 des ZUGFeRD-Formats zur Verfügung. Wie ist die Reaktion der verschiedenen Branchen darauf?

Stefan Engel-Flechsig: Die Reaktion der Branchen ist überaus positiv. ZUGFeRD stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, die Automatisierung aller Rechnungen im Ein- und Ausgang in den Griff zu bekommen.

Wer hat das Format besonders dringend erwartet?

Stefan Engel-Flechsig: Erwartet wurde es insbesondere von der IT- und Softwareindustrie, aber auch von vielen Unternehmen, die bereits elektronische Rechnungen nutzen oder sich mit Projekten zur elektronischen Rechnung befassen. Von den über 700 Downloads des Formates sind gut 80 Prozent aus diesem Bereich und 20 Prozent aus den Bereichen Beratung und Unternehmen.

ZUGFeRD

Das Kürzel steht für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“. Das Format erlaubt es, Rechnungsdaten in strukturierter Weise in einer PDF Datei zu übermitteln und diese ohne weitere Schritte auszulesen und zu verarbeiten. Bund, Verbände und Unternehmen entwickelten das Format gemeinsam, damit es künftig bundesweit bestehende EDI-Standards zum elektronischen Rechnungsaustausch ergänzt. Am 25.06.2014 wurde die finale Version 1.0 des Formats veröffentlicht.

Für die E-Rechnung engagieren sich nicht nur Politik, Behörden und Wirtschaft. Welche Verbände treiben die Umsetzung von ZUGFeRD voran?

Stefan Engel-Flechsig: Es sind mittlerweile alle großen Branchenverbände und Fachverbände auf das FeRD aufgesprungen. Neben BITKOM, BDI, DIHK, HDE, GDV, VDA, VDMA, VOI, ZDH, ZVEI und ZVG sind Verbände aus den Bereichen Banken, Telekommunikation, Mehrwertdienste, öffentliche Verwaltung und Steuerberatung engagiert. Natürlich ist – je nach Expertenwissen – die Beteiligung unterschiedlich. Aber wichtig ist, dass alle Verbände sich zum Format ZUGFeRD bekannt haben und es unterstützen.

Welche Motivation steckt dahinter?

Stefan Engel-Flechsig: Die gemeinsame Motivation aller Verbände und natürlich ihrer Mitgliedsunternehmen ist ein einfaches und einheitliches Format für den Austausch von elektronischen Rechnungen – international verfügbar, einfach zu integrieren, rechtlich abgesichert und in allen Branchen und in der öffentlichen Verwaltung in gleicher Weise zu nutzen.

Gerade kleinen und mittleren Unternehmen soll ZUGFeRD den Einstieg ins E-Business erleichtern. Wie reagieren diese bisher?

Stefan Engel-Flechsig: Obwohl die Version 1.0 erst vor Kurzem vorgestellt wurde, haben bereits einige Klein- und Mittelständler ZUGFeRD-Lösungen im Einsatz. Von diesen „early adopters“ haben wir nur positive Meldungen erhalten: Effizienz gesteigert, Kosten gespart, Zahlungsflüsse beschleunigt. GS1 Germany ist eines der Unternehmen, die ihre Rechnungen bereits im ZUGFeRD Format versenden.

"Mit ZUGFeRD 1.0 ist Deutschland auch international hervorragend aufgestellt."

Welche Rückmeldungen haben Sie aus den Release-Versionen von ZUGFeRD bekommen? Was sind die wichtigsten Veränderungen?

Stefan Engel-Flechsig: ZUGFeRD wurde mehrmals einem öffentlichen Review unterzogen und wir haben aus diesen Reviews wertvolle Hinweise erhalten. Diese sind in den verschiedenen Vorversionen eingebaut worden. Zusätzlich konnten wir die internationalen Standards von UN/CEFACT und ISO sorgfältig mit ZUGFeRD abstimmen. Das Ergebnis ist ZUGFeRD 1.0, das als Spezifikation mit allen Anhängen „state of the art“ des Datenmodells für elektronische strukturierte Rechnungen darstellt.

Wie beurteilen Sie die Reaktion der Software-Anbieter bisher? Wie hat sich das Angebot an Standardlösungen entwickelt?

Stefan Engel-Flechsig: Mit ZUGFeRD 1.0 können Softwareunternehmen jetzt in ihre Release-Planung einsteigen, und ich erwarte, dass zur CEBIT 2015 eine Vielzahl von neuen ZUGFeRD-Produkten vorliegen wird. Wir sehen bei zahlreichen Unternehmen bereits Lösungen in den Produktportfolios, und ZUGFeRD wird bereits als Standardschnittstelle beim Rechnungseingang wie -ausgang angeboten und genutzt.

Wie schätzen Sie die Chance ein, dass sich ZUGFeRD auch international etabliert?

Stefan Engel-Flechsig: ZUGFeRD 1.0 erfüllt bereits heute die Anforderungen an die jetzt von der EU-Richtlinie für elektronische Rechnungen im öffentlichen Auftragswesen geforderte europäische Norm für elektronische Rechnungen: Es basiert auf international anerkannten Grundlagen wie UN/CEFACT und ISO, und setzt EU-weit normierte Standards um. Aus diesem Grund ist Deutschland mit ZUGFeRD 1.0 auch international hervorragend aufgestellt.

"ZUGFeRD 1.0 setzt Maßstäbe für Kooperationen in der Standardentwicklung."

Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen aus dem Projekt ZUGFeRD?

Stefan Engel-Flechsig: Die Entwicklung von ZUGFeRD 1.0 ist in Deutschland, ja in ganz Europa einzigartig: Das Datenformat wurde auf ehrenamtlicher Basis von Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam entwickelt und stellt daher einen breitest möglichen Konsens ohne kommerzielle Interessen dar. Für mich ist das eine besonders gelungene Form von partizipativer Standardentwicklung, die als Maßstab für künftige Kooperationsprojekte angesehen werden kann.

Was sind Ihre nächsten Schritte? Ist ZUGFeRD mit der Freigabeversion jetzt abgeschlossen?

Stefan Engel-Flechsig: Wie bei jeder Standardentwicklung wird es jetzt einerseits um die Pflege des Formats gehen, eventuell vorhandene „bugs“ müssen beseitigt werden; andererseits wird es aber auch darum gehen, die Implementierung des Formats zu unterstützen. Hierzu hat FeRD bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit den Erfahrungen aus der Anwendung auseinandersetzen wird. Daneben denken wir darüber nach, das Datenmodell auch für weitere betriebliche Prozesse zu nutzen und ZUGFeRD entsprechend zu erweitern, etwa Bestellvorgänge, Auftragsbestätigungen oder Zahlungen. Schließlich werden wir uns auch um die Kooperationen mit Frankreich, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Schweden und der Schweiz bemühen.

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