Digitalisierung verändert Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle. Der Umgang damit ist ein zentrales Thema beim ECR Tag 2016.
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Digitalisierung  |  07.06.2016

Faktencheck: "Wie real ist digital?"

Computer und Smartphones, Online-Shops und Soziale Netzwerke – sie umgeben uns in praktisch allen Lebenslagen. Auch in vielen Unternehmen ist die digitale Transformation gerade in vollem Gange. Mitunter wird aber berichtet, Deutschland hinke in diesem Punkt hinterher. Für die Entscheider in Unternehmen ist es an der Zeit, kritisch Bilanz zu ziehen. Und genau diesem Thema widmet sich auch der ECR Tag 2016 von GS1 Germany unter dem Motto „Digitale Realität – Die Welt zwischen On- und Offline“. Die zentrale Frage lautet: Wie viel Digitalisierung ist notwendig?

Der wichtigste Branchentreff des Jahres!

Der wichtigste Branchentreff des Jahres!

Am 21. + 22. September in Berlin

Digitalisierungsthemen wie Omnichannel, Click & Collect, digitale Shopper Journey oder Data Quality sind in aller Munde. Andererseits gibt es Studienergebnisse, die zeigen, dass es an manchen Stellen in Sachen Digitalisierung in den Unternehmen noch hakt. So gab etwa der IT-Branchenverband Bitkom kürzlich eine Pressemitteilung heraus, von deren Inhalt mancher überrascht, vielleicht auch amüsiert gewesen sein dürfte. Wie Bitkom herausfand, nutzen 79 Prozent der deutschen Unternehmen häufig das Faxgerät zur internen oder externen Kommunikation, nur 40 Prozent setzen Online- oder Videokonferenzen ein und sogar nur 15 Prozent Soziale Netzwerke. Als erste Bestandsaufnahme wirkt das recht ernüchternd. Sind wir denn nicht auf dem Weg in das Zeitalter der Industrie 4.0?

Wenn man den Blick von der deutschen hin zur internationalen Wirtschaft wendet, spricht zumindest vieles dafür. Als die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im Juni 2015 ihre Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt veröffentlichte, standen auf den Plätzen 1 bis 3: Apple, Google, Microsoft – allesamt bekannt als Treiber der Digitalisierung in unserer beruflichen wie auch privaten Umgebung.

Andererseits muss ein bisschen „Offline“ auch nichts Schlechtes sein. Unter den Verbrauchern, die den Unternehmen bekanntlich immer wieder mal voraus sind, gibt es bereits den Gegentrend zur völligen Digitalisierung aller Lebensbereiche. Der Zukunftsforscher Matthias Horx, der unter den Referenten beim ECR Tag von GS1 Germany sein wird, drückte es kürzlich in einem Interview so aus: „Achtsamkeit ist verbunden mit einem anderen Umgang mit den Medien. Dabei geht es nicht darum, einfach offline zu gehen, sondern das Online besser in den Griff zu bekommen. Wir nennen das den ‚Omline-Trend‘. Das ‚Om‘ in ‚Omline‘ stammt von der Meditationssilbe ‚Om‘ und bezeichnet den Zustand, in dem wir digitale Technologien achtsam und souverän im Sinne unserer psychischen Integrität einsetzen. Es geht um selbstbestimmte Vernetzung auf einer humanen Basis.“

Wer hätte das geahnt?

Irrwitzige Fehl­einschätzungen zur Digitalisierung – und das völlige Gegenteil. Wenn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Internet der Dinge vorausgesagt wird, kann einem das fast schon Angst machen.

1912

„Die Bürger der drahtlosen Zeit werden überall mit ihrem ‚Empfänger‘ herumgehen, der irgendwo, im Hut oder anderswo angebracht, auf eine der Myriaden von Vibrationen eingestellt sein wird. Konzerte und Direktiven, ja alle Kunstgenüsse und das Wissen der Erde werden drahtlos übertragen sein. Monarchen, Kanzler, Diplomaten, Bankiers, Beamte und Direktoren werden ihre Geschäfte erledigen und ihre Unterschriften geben können, wo immer sie sind.“

Aus dem Sammelband Die Welt in 100 Jahren, erschienen in Berlin.

1937

„Die Zeit rückt näher, in der wir an jedem beliebigen Ort der Welt in unserem Zimmer sitzen können und mit einem Projektor jedes beliebige Buch, jedes Dokument in exakter Kopie betrachten können.“

H. G. Wells, Science-Fiction-Autor.

1949

„Noch hat ein Rechner 18.000 Vakuum-Röhren und wiegt 30 Tonnen. Doch die Computer der Zukunft werden nur noch 1.000 Vakuum-Röhren besitzen und vielleicht nur noch 1,5 Tonnen wiegen.“

Aus dem Magazin Popular Mechanics. Streng genommen stimmt die Prognose sogar. Noch später wurden die Rechner dann so handlich, dass heute die meisten Menschen einen in der Hosen- oder Jackentasche bei sich tragen.

1949

„Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus wollen würde.“

Ken Olsen, Gründer der Digital Equipment Corporation.

1995

„Das Internet wird wie eine spektakuläre Supernova im Jahr 1996 in einem katastrophalen Kollaps untergehen.“

Robert Metcalfe, der als Erfinder des Ethernets gilt.

2007

„500 Dollar für ein Mobiltelefon? Speziell bei Geschäftskunden wird dieses Gerät keinen Anklang finden. Schließlich hat es nicht einmal eine Tastatur und ist deshalb für den E-Mail-Verkehr wenig geeignet.“

Steve Ballmer, seinerzeit CEO von Microsoft, kurz nachdem Apple das erste iPhone präsentiert hatte.

2010

„Aus dem iPad wird nichts, Netbooks sind die Zukunft.“

Bill Gates. Beginnend mit Windows 8 ging Microsoft dann doch dazu über, seine Betriebssysteme gezielt in Bezug auf die Anforderungen von Tablets zu entwickeln, unter anderem mit Touch-Bedienung und den sogenannten Kacheln auf dem Startbildschirm.

"Das 'Online' besser in dem Griff bekommen"

Zwei Dimensionen von Digitalisierung

Trotz Gegenbewegung ist die Digitalisierung ein Megatrend. Wer sich ihm komplett verschließt, wird sicher verlieren – oder vielleicht doch nicht? Um das zu beurteilen, lohnt es sich, einmal zu hinterfragen, welche Dimension von Digitalisierung eigentlich gemeint ist. Geht es um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen oder um die von Geschäftsmodellen? Oder etwas lapidar formuliert: Findet in unserer Firma die Computertechnik hauptsächlich in der Bürokommunikation statt oder steckt sie als integraler Bestandteil in unseren Produkten selbst? Fall 1 ist der eingangs aufgegriffene aus der Bitkom-Studie. Fax statt Facebook? O. k., das ist altmodisch. Wenn die nutzbringende Digitalisierung von Geschäftsprozessen unterbleibt, wird Potenzial – und damit Geld – verschenkt. Regelrecht fatal wird es aber, wenn Unternehmen zu spät begreifen, dass die Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändert. Denn solche Veränderungen sind meist nicht evolutionär, sondern radikal und später kaum noch aufzuholen. Ein bekanntes Beispiel ist Kodak: Als digitale Fotokameras aufkamen und sich rasch so weit durchsetzten, dass manche Geräte für den Consumer-Bereich nur noch den Bruchteil eines herkömmlichen Fotoapparates kosteten, verschwand die Marke praktisch vom Markt – jedenfalls in ihrem ehemaligen Kerngeschäft.

Online und Offline – Teile des Gesamtkonzepts

Selbstverständlich hat ein digitales Geschäftsmodell nicht nur, wer selbst Elektronikprodukte herstellt oder Internet-Dienstleistungen offeriert. Im Handel beispielsweise ist auch das Kauferlebnis Teil des Produkts. Und dieses Kauferlebnis findet mehr und mehr digital statt, auch wenn die eigentliche Ware als durch und durch „analog“ zu bezeichnen ist. Amazon ist ein gutes Beispiel: Der Gigant im E-Commerce, bei dem es heute praktisch alles zu kaufen gibt, begann seinen Siegeszug mit dem Onlineverkauf von Büchern. Es ging zunächst wohlgemerkt nur um gedruckte Bücher, keine E-Books. In der Tat ist der Handel das Paradebeispiel für eine Branche, in der Digitalität unweigerlich Teil des Geschäftsmodells ist. In ihrer aktuellen Studie „Navigating the new Digital Divide – Die Chancen der Digitalisierung für den deutschen Handel“ finden die Consulting-Experten von Deloitte heraus, dass 92 Prozent aller Konsumenten im stationären Einzelhandel vor oder während ihres Einkaufs ein digitales Gerät nutzen.

In der Regel tun sie dies, um Produktinformationen zu recherchieren oder Preise zu vergleichen. Die Mehrheit der Käufer (54 Prozent) bevorzugt inzwischen die eigenen Rechercheergebnisse gegenüber der Beratung im Geschäft. Daraus folgt: Auch wenn nach wie vor im Laden gekauft wird, so wird die Kaufentscheidung letztlich nicht dort getroffen. Viele Handelsunternehmen unterstützen das „digitale Vorgehen“ ihrer Kunden inzwischen durch Tools wie beispielsweise eine Online-Verfügbarkeitsanzeige für die im Laden vorhandenen Waren oder eine In-Store-Navigation. Die Frage für jedes einzelne Unternehmen muss an dieser Stelle lauten: Wie kann ich meinen individuellen Bedarf an Digitalisierung herausfinden? Und wer kann mich dabei unterstützen?

Der ECR Tag 2016 klärt die Dosis: Wie viel Digitalisierung ist notwendig?

Der ECR Tag 2016 klärt die Dosis: Wie viel Digitalisierung ist notwendig?

Strategiefindung als individuelle Aufgabe

Er ist zwar schon etliche Jahre alt, aber auf seine Art noch immer zeitgemäß, der TV-Spot von IBM, in dem zwei Kollegen zusammensitzen: „Hier steht, wir müssen ins Internet“, sagt der erste. Darauf der zweite: „Warum?“ Antwort: „Das steht hier nicht.“ Da haben die Werber Scharfsinn bewiesen und ihre Botschaft ist nicht schwer zu verstehen: Man wird nicht „einfach so mal eben“ digital, sondern man sollte eine Strategie dafür haben – wie immer, wenn sich Geschäftsprozesse (oder vielleicht sogar Geschäftsmodelle) verändern. Und weil sich die Branchen ebenso wie ihre Zielgruppen unterscheiden, benötigen die Unternehmen individuelle Strategien. Die allgemein gültige Antwort auf die Frage „Wie digital muss ein Unternehmen heute sein?“ gibt es nicht, wie auch IT-Branchenfachleute bestätigen. Wie lange wird es also noch andauern, dass Unternehmen eher das Faxgerät benutzen als Soziale Netzwerke? Die Antwort wird sich in dem Moment abzeichnen, wo mehr und mehr Entscheider nicht nur die kritische Bilanz wagen, sondern auch die im Einzelfall notwendigen Konsequenzen ziehen. Eine hervorragende Gelegenheit, sich mit dieser Bilanz auseinanderzusetzen, ist der ECR Tag am 21. und 22. September 2016 mit Diskussionen, Vorträgen und Best Practices rund um die digitale Realität.


eStep Mittelstand 

Was ist eigentlich Digitalisierung? Bin auch ich von dem digitalen Wandel betroffen? Welche Chancen ergeben sich für mein Unternehmen? Was muss ich tun, um meine Geschäftsprozesse bestmöglich für die Zukunft zu rüsten? Das bis Ende 2016 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt eStep Mittelstand hat unter Beteiligung von GS1 Germany kostenfreie Lösungen entwickelt, mit denen Sie die Herausforderungen von Industrie 4.0, Internet der Dinge, u.v.m. unter Einsatz von Standards erfolgreich meistern können.

Foto: GS1 Germany
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