Frank Früh, Bereichsleiter Enterprise Content Management bei Bitkom
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Digitalisierung  |  07.06.2016

Etwa die Hälfte ist geschafft

Drei Fragen an Frank Früh, Bereichsleiter Enterprise Content Management bei Bitkom, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. 

STANDARDS: Herr Früh, die Bundesregierung verfolgt eine sogenannte digitale Agenda. Bedeutet das für die Entscheider in den Unternehmen, dass sie sich in Sachen Digitalisierung beruhigt zurücklehnen können, um abzuwarten, dass die politischen Maßnahmen greifen?

Frank Früh: Keineswegs. Aufgabe der Politik kann es nur sein, die Rahmenbedingungen herzustellen, deren Verwirklichung nicht der Einzelne in seiner eigenen Hand hat. Hier ist an erster Stelle der Ausbau des Breitband-Internets zu nennen. Deutschland ist nun einmal ein Flächenstaat, seine Wirtschaft wird zu einem bedeutenden Teil vom Mittelstand getragen. Und die Mittelständler sind nicht typischerweise nur in Ballungsräumen ansässig. Die digitale Transformation in den Unternehmen selbst in Gang zu setzen, ist hingegen keine staatliche Aufgabe. Nach unserer Überzeugung muss sie in den Betrieben zur Chefsache werden. Digitalisierung ist ein Prozess von strategischer Tragweite. Das muss bei Geschäftsführern, Gesellschaftern und Vorständen ankommen – und von ihnen weiter forciert werden.

STANDARDS: Wie weit sind die deutschen Unternehmen auf ihrem Weg zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen?

Frank Früh: In unserer Studie mit dem Titel „Digital Office Index“ kommen wir zu dem Schluss: Im Durchschnitt ist ungefähr die Hälfte des Weges geschafft. Einzelne Branchen, z. B. der Banken- und Finanzsektor, sind schon ein Stück weiter. Andere, wie etwa die Branchen Chemie, Pharma und Lebensmittel sowie Ver- und Entsorger, haben noch größeren Nachholbedarf. Wo aber das einzelne Unternehmen steht – das kann von den durch uns ermittelten Indexzahlen natürlich mehr oder weniger stark abweichen.

STANDARDS: Wie kann man den eigenen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung ermitteln und ihn im Zweifel beseitigen?

Frank Früh: Ich möchte noch einmal betonen, dass planvolles Vorgehen angesagt ist. Nicht nur die Großen, sondern auch KMU brauchen eine digitale Strategie. Wer das Gefühl hat, eine solche Strategie nicht mit eigenen Kräften auf die Beine stellen zu können, sollte eine kompetente externe Beratung in Anspruch nehmen. Für eine erste Verortung des eigenen Status hinsichtlich Digitalisierung lohnt sich ein Besuch auf der Bitkom-Website: Aus der erwähnten Studie heraus haben wir eine Art „Digitalisierungs-Selbsttest“ als Online-Tool entwickelt. Dieser Test ist selbstverständlich anonym.

Foto: GS1 Germany
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