Jörg Pretzel, Dr. Ina Trapp, Dr. Thomas Rothe, Sylvia Reingardt (v.l.) bei der Preisverleihung
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Healthcare  |  01.12.2015

Die ersten Sieger

Im Rahmen der Konferenz „Healthcare live!“ verlieh GS1 Germany erstmals den Healthcare Award für die beste Management-Leistung zum Wohle des Patienten. Standards sprach mit den Preisträgern Roche Diagnostics, Weltmarktführer im Bereich In-vitro-Diagnostik, und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.

GS1 Healthcare Award

Weitere Informationen rund um den Award finden sich unter www.gs1-healthcareaward.de.

Dr. Ina Trapp, Global UDI Change Control Manager bei Roche Diagnostics
Dr. Ina Trapp, Global UDI Change Control Manager bei Roche Diagnostics

STANDARDS: Was ist für Sie erfolgreiche Wertschöpfung?

Dr. Ina Trapp: Erfolgreiche Wertschöpfung bedeutet für uns, Angebote dahingehend zu entwickeln, dass der Kunde sie wertschätzt, dass er sich bewusst für sie entscheidet und sich verstanden fühlt. Auf diese Weise kann Loyalität gefestigt werden und auch eine gewisse Preisbereitschaft wachsen. Aber Wertschöpfung ist heute nicht mehr nur Sache eines Einzelnen. Dafür ist die Prozesskette im Gesundheitswesen zu eng verzahnt. Es war uns deshalb ein wichtiges Anliegen, durch die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Dresden zu zeigen,dass Unternehmen gemeinsam mehr Potenziale in ihren Prozessen heben und damit einen wichtigen Beitrag für das Gesundheitswesen leisten können.

STANDARDS: Was haben Sie gemeinsam mit dem Uniklinikum Dresden umgesetzt?

Dr. Ina Trapp: Im Mittelpunkt unserer Zusammenarbeit stand die Patientensicherheit im Bereich der Labordiagnostik – auch dadurch getrieben, dass die in den USA bereits gültige Richtlinie UDI auch in Europa eingeführt wird. Gemeinsam mit dem Uniklinikum Dresden haben wir nun ein System entwickelt, mit dem wir auf Basis des zweidimensionalen Barcodes GS1 DataMatrix gleich mehrere Prozesse für die Labordiagnostik optimieren können. Die lückenlose Nachverfolgung von Reagenzien beugt beispielsweise Verwechselungen vor, was die Sicherheit erhöht. Gleichzeitig lassen sich Bestand, Inventur und Verfallsdaten noch besser steuern und überwachen.

STANDARDS: Welche Vorteile sehen Sie als Diagnostik-Lieferant in dem Projekt?

Dr. Ina Trapp: Das Projekt besaß für uns gleich von Beginn an Potenzial. Wir konnten einen Mehrwert für den Patienten schaffen und haben gleichzeitig die Möglichkeit,die gesamte Supply Chain und damit zusammenhängende Prozesse zu optimieren. Darüber hinaus tragen Kooperationen wie diese dazu bei, dass man als Unternehmen in Bewegung bleibt. Und das ist relevant für den Geschäftserfolg. Den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, verleiht Stärke im Wettbewerb. Darum haben wir unser Ohr am Kunden – und sind dadurch auch gleichzeitig besser auf neue gesetzliche Anforderungen im Sinne des Kunden und Patienten vorbereitet.

„Wir konnten einen Mehrwert für Patientenschaffen und Prozesse optimieren.“

Dr. Ina Trapp, Global UDI Change Control Manager bei Roche Diagnostics

STANDARDS: Welches Potenzial sehen Sie in partnerschaftlichen Kooperationen?

Dr. Ina Trapp: Ob Kooperationen zwischen Industrie und Handel oder wie in unserem Fall eine Partnerschaft direkt mit einem medizinischen Leistungserbringer –Kooperationen helfen dabei, Angebote fortlaufend an die sich verändernden Kundenanforderungen anzupassen. Das ist zum einen für den eigenen Erfolg essenziell, zum anderen bringt man auf diese Weise auch die gesamte Branche weiter voran. Und die Weiterentwicklung kommt letztendlich immer auch dem Patienten zugute, dessen Wohl für alle im Mittelpunkt stehen sollte.

STANDARDS: Welche Botschaft liegt Ihnen noch am Herzen?

Dr. Ina Trapp: Natürlich bringen neue Anforderungen und Veränderungen auch Kosten mit sich. Aber Investitionen lohnen sich. Erst recht, wenn es um Kunden und Patienten geht. Da hilft es, sich zwischendurch auch mal Zeit zu nehmen, um die Wünsche der Kunden wirklich zu durchdenken und nachzuvollziehen.

Dr. Thomas Rothe, Projektleiter am Uniklinikum Dresden
Dr. Thomas Rothe, Projektleiter am Uniklinikum Dresden

STANDARDS: Welche Herausforderungen gibt es in der Laboratoriumsmedizin?

Dr. Thomas Rothe: Die Arbeit im Labor unterliegt anderen Anforderungen als etwa die Konsumgüterproduktion. Auf Produkten müssen Angaben zu Identifikation, Verfallsdatum und Charge aufgebracht sein – in einer Art und Weise, die es ermöglicht, schnell, effizient und sicher zu arbeiten. Eine maschinenlesbare Kennzeichnung und die Abbildung der Daten in einem einzigen Barcode,der international einsetzbar ist, ist für uns die beste Lösung. Natürlich müssen das auch unsere Lieferanten mittragen, die die Barcodes aufbringen.

STANDARDS: Veränderungen umzusetzen ist ein Kraftakt. Warum hat sich das Projekt aus Sicht Ihres Instituts gelohnt?

Dr. Thomas Rothe:  Viele Branchen stehen steigenden gesetzlichen Anforderungen zur Dokumentation von Prozessen gegenüber. Das Gesundheitswesen ganz besonders. Veränderungen umzusetzen ist immer wieder eine Herausforderung. Wir müssen mit kleinem Aufwand – mit bestehenden Ressourcen und gleicher Technik – großen Nutzen erbringen. Im Labor galt es umzustrukturieren. Wir haben eine enorme Anzahl an Proben und viele Prozesse. Wir mussten tausende von Scanvorgängen in die tägliche Arbeit integrieren. Mit einem Partner wie Roche ist das gelungen. Gemeinsam konnten wir letztlich Bestände herunterfahren, Inventurdifferenzen verringern und den Umsatz steigern.

STANDARDS: Und was davon dient ganz konkret den Patienten?

Dr. Thomas Rothe: Viele Patienten kennen es von Arztbesuchen, dass Labordaten abgefragt werden. Ein ganz normaler Vorgang. Dabei ist es enorm wichtig, dass die Daten richtig sind. Auf ihnen basieren Diagnose und Behandlung. Proben müssen eindeutig identifizierbar, gut dokumentiert und sicher sein – genau das gewährleisten wir mit unserem neuen System noch stärker. Zudem gewinnen wir an Effizienz, was ebenfalls dem Patienten zugutekommt. Da die Daten elektronisch und nicht mehr auf Papier erfasst sind, können wir bei Rückfragen viel schneller Auskunft geben.

„Proben müssen eindeutig identifizierbar sein – das gewährleisten wir mit dem neuenSystem.“

Dr. Thomas Rothe, Projektleiter am Uniklinikum Dresden

STANDARDS: Wie geht es weiter?

Dr. Thomas Rothe: Wir möchten mit all unseren Lieferanten auf die maschinenlesbare Kennzeichnung mit GS1 DataMatrix umstellen. Einige haben bereits damit begonnen. Außerdem werden wir mit dem Bereich der Implantate eine nächste Sektion umstellen – erste Schritte sind bereits eingeleitet.

STANDARDS: Was liegt Ihnen noch am Herzen?

Dr. Thomas Rothe: Die Zeit geht weiter. Standards wie GS1 DataMatrix sollten heute auch in die gängigen Angebote von Softwareanbietern einfließen. Insbesondere Angebote für Kliniken hinken noch hinterher. Doch letztlich ist es mit Standards wie mit anderen Angeboten: Ein elektrischer Fensterheber im Auto galt früher als Sonderlösung – heute gehört er einfach dazu. So sollte auch die Verarbeitung eines 2D-Standardbarcodes in jeder Software Standard und nicht nur auf Anfrage und mit Aufpreis zu haben sein.

Fotos: GS1 Germany
GS1 Germany
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