Im Gespräch mit Rocco Bräuniger, Director Consumables, Amazon EU SARL
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E-Commerce  |  09.12.2016

Chancen und Herausforderungen für 2017

Der Online-Händler Amazon blickt optimistisch auf das kommende Jahr. Auch 2017 plant er innovative Neuerungen, die seine Produkte und Services für die Kunden noch besser machen werden. Im Interview verrät Rocco Bräuniger, warum es im Online-Handel nie langweilig wird, die Branche viel Platz für Gewinner bietet und GS1 Germany im Datenmanagement bei zehntausenden Partnern eine zentrale Rolle spielt.

Die Ausrichtung auf den Kunden gilt schon seit Firmengründung – und sie wird auch weiterhin bestehen bleiben.

STANDARDS: Herr Bräuniger, das Jahr 2016 war für Amazon sicherlich auch in Deutschland in vielerlei Hinsicht spannend. Stichworte sind etwa Prime Now, neue Logistikzentren, Echo und Alexa und natürlich eine erwartungsvolle Lebensmittelbranche. Wohin geht es 2017?

Rocco Bräuniger: In der Tat, und die Liste ließe sich etwa ergänzen um Amazon Launchpad, Amazon Handmade oder AmazonSmile. Eines steht jedenfalls fest: Langweilig wird es nicht. Ich bin mittlerweile seit über zehn Jahren dabei – und jedes einzelne Jahr davon war aufregend. Amazon hat auch 2016 viele Innovationen auf den Weg gebracht und bestehende Services verbessert. Wohin es in Zukunft geht, kann niemand genau vorhersagen. Sicher ist aber: Wir sind ein Unternehmen im Dienst der Kunden und Anbieter von Infrastrukturen, die andere Unternehmen für ihren eigenen Erfolg nutzen können. Beispiele sind Amazon Fulfillment oder der Payment Service. Oder denken Sie an Amazon Web Services (AWS), die eine breite Palette globaler Computing-, Speicher-, Datenbank-, Analyse-, Anwendungs- und Bereitstellungsservices anbieten. Die Ausrichtung auf den Kunden gilt schon seit Firmengründung – und sie wird auch weiterhin bestehen bleiben.

Kunden wollen günstige Produkte, große Auswahl und schnelle Verfügbarkeit.

Zum Jahresende wagen wir einen Ausblick in die nähere Zukunft. Welche Chancen und Herausforderungen erwarten den Online-Handel 2017 – auf der Supply Side sowie auf der Demand Side?

Prognosen hängen oft von zu vielen Variablen ab. Lassen Sie uns deshalb lieber auf das schauen, was auf jeden Fall gleich bleibt. Und da ist klar: Kunden wollen günstige Produkte, große Auswahl und schnelle Verfügbarkeit. Sie wollen aber eben auch ein einfaches Einkaufen, unterstützt unter anderem durch relevante und vor allem richtige Produktdaten. Hier ist GS1 Germany sehr wertvoll für uns. Wer also den Kunden in den Mittelpunkt stellt, muss sich keine Sorgen machen.
Ich nehme generell schon an, dass die Vielfalt im E-Commerce noch weiter zunehmen wird – nicht zuletzt im Bereich der Konsumgüter. Das Gute daran: Im Onlinehandel gibt es Platz für jede Menge Gewinner. Für viele Händler und regionale Hersteller ist E-Commerce eine riesige Chance, neue Kunden zu gewinnen und ihren Service zu erweitern.

Amazon ist längst nicht mehr nur Shop oder Versender, sondern internationaler Marktplatz. Praktisch jeder kann selbst zum Händler werden. Eine Herausforderung ist sicherlich auch ein effizientes Datenmanagement. Wie gelingt es, die vielen Anbieter und ihre Daten unter einen Hut zu bringen?

Sie haben vollkommen Recht. Andere Händler sind ganz zentrale Partner für Amazon: Mit ihnen wird mehr Vielfalt erreicht und mit ihnen wird das Angebot individueller – zum gegenseitigen Vorteil und zum Vorteil der Kunden. Partnerschaft ist unser Geschäft! Viele stationäre Händler sind längst auch im Internet erfolgreich, erweitern ihr Geschäft und schaffen neue Arbeitsplätze mit den Dienstleistungen großer Unternehmen. Natürlich spielt das Datenmanagement bei zehntausenden Händlern und Lieferanten alleine in Deutschland eine gewichtige Rolle. Bei der Optimierung der Datenqualität haben Datenstandards und die Zusammenarbeit mit externen Experten wie GS1 Germany eine zentrale Bedeutung. Des Weiteren arbeitet Amazon täglich an besseren Algorithmen und effizienteren Methoden, Daten im Sinne des Kunden zu nutzen.

Bei der Optimierung der Datenqualität haben Datenstandards und die Zusammenarbeit mit externen Experten wie GS1 Germany eine zentrale Bedeutung.

Welche Potenziale sehen Sie in den GS1 Standards? Oder anders gefragt: Wie schädlich sind falsche Artikelnummern (GTIN) für Amazon?

Die GS1 Standards in Bezug auf Artikelnummern verhelfen Konsumenten zu mehr Transparenz und sorgen im Retail-Geschäft für effiziente und sichere Prozesse. Dank internationaler Standards können wir bestehende Datensätze auf Übereinstimmungen überprüfen. So lassen sich identische Produktdaten viel einfacher zu einer Produktdetailseite zusammenfassen, auf der alle Angebote verschie-dener Verkäufer angezeigt werden. Dadurch verbessert sich die Qualität der Suchergebnisse, und das erleichtert es Käufern, genau das Produkt zu finden, das sie suchen. Im Bereich der Supply Chain und Anlieferstandards sind die Prozesse von Industrie zu Handel derzeit aber noch sehr auf die Umsetzung im Inland geprägt. Amazon beliefert Kunden aus einem europäischen Netzwerk von 30 Logistikzentren. Vor diesem Hintergrund würden wir uns hier noch einiges mehr an zumindest europaweiter Umsetzung von Standards wünschen.

Amazon operiert international. Ist Deutschland eigentlich ein gutes Pflaster für den Online-Handel oder finden wir bald auch Amazon in den Fußgängerzonen?

Deutschland ist ein gutes Pflaster, ja! Im Idealfall lassen sich die Vorzüge der On- und Offlinewelt verknüpfen – stationäre Amazon Buchläden in den USA sind dafür gute Beispiele. Dort werden Bücher anhand mehrerer Faktoren ausgewählt, wie Kunden-Bewertungen, Vorbestellungen, Verkäufen, Popularität, „Goodreads“ und dem Urteil von Kuratoren. Die Verzahnung von Online-Angeboten und stationärem Handel bietet jedenfalls große Möglichkeiten. Waren können bestellt und dann lokal abgeholt werden. Ein ähnliches Prinzip bietet Amazon mittlerweile mit Amazon Locker an einigen Orten in Deutschland an. Damit haben Kunden eine zusätzliche Lieferoption zur Wahl. Wir wollen, dass der Kunde sich nicht mehr danach richten muss, wo sein Paket gerade ist. Sondern das Paket soll sich danach richten, wo der Kunde vorbeikommt oder gleich sein wird. Bei Amazon ist kein Konzept von Vornherein ausgeschlossen. Im Übrigen können Sie auch in Deutschland heute bereits neben Amazon Gutscheinen auch Kindle und Kindle Fire in Fußgängerzonen bei Offline-Partnern erwerben.

Foto: Amazon
GS1 Germany
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