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Logistik  |  10.12.2018

NexTrust erzielt Durchbruch bei nachhaltigen Transportkooperationen

Mehr als 90 Akteure aus Handel, Industrie und Logistik haben im Rahmen von NexTrust 40 Pilotprojekte umgesetzt. Ein wesentliches Fazit zum Projektabschluss: CO2-Reduktionen bis zu 70 Prozent möglich.

Das Projekt: NexTrust

NexTrust (www.nextrust-project.eu) wurde von Horizon 2020 gegründet und wird durch die EC’s Innovation and Networks Executive Agency (INEA) verwaltet. Die Projektdauer beträgt 42 Monate. Das Ziel von NexTrust ist die Erhöhung der Effizienz und Nachhaltigkeit in der Logistik durch die Entwicklung eines flexiblen, innovativen Businessmodels, mit vernetzten, verlässlichen Kooperationsnetzwerken entlang der gesamten Lieferkette. Die Pilotprojekte decken einen breiten Querschnitt der gesamten Lieferkette (vom Rohmaterial bis zum Endprodukt im Einzelhandel und beim Endkonsumenten) für verschiedene Branchen ab. NexTrust erwartet durch die Pilotprojekte eine Senkung der Anzahl der genutzten Transportmittel um 40 Prozent, eine Reduktion der Anzahl Anlieferungen um 15 Prozent, eine Reduzierung der CO2-Emmissionen um 70 Prozent und eine Steigerung der Auslastung der Transportmittel um 50 Prozent.

Das komplette NexTrust-Konsortium besteht aus diesen Unternehmen: 2degrees, Alpega, Arcese, Beiersdorf, BLUEWAVE, Borealis L.A.T, Colruyt Group, CRITT Transport et logistique, Delhaize Le Lion/De Leeuw, ELUPEG, EVO Dutch Shippers Council, Fiege Logistik, Giventis International BV, Greenyard Foods, GS1 Belgium & Luxembourg, GS1 Germany, GS1 Switzerland, Kimberly Clark, Kneppelhout Korthals Lawyers, Mondelez, Norwegian Logistics, Panasonic Europe, Pastu Consult, Scala, TRI-VIZOR, TX Logistik (Koordinator), Unilever, Vlerick Business School, VU University Amsterdam, Wenzel Logistics, YSCO.

Der Straßenverkehr macht ein Fünftel der gesamten Kohlendioxidemissionen innerhalb der EU aus, während gleichzeitig jeder fünfte LKW auf europäischen Straßen leer fährt. Auf der Suche nach einer effizienteren Nutzung unserer Straßen pilotieren Supply-Chain-Experten kollaborative Netzwerke, um gemeinsam mit Herstellern, Händlern und Spediteuren Emissionen, Treibstoffverschwendung und -kosten sowie Staus zu reduzieren.

Dank des EU-Förderprogramms Horizont 2020 haben mehr als 30 Projektpartner Zeit und Ressourcen aufwenden können, um ein innovatives Geschäftsmodell zu validieren, mit dem Verlader, Händler und Frachtführer Treibhausgasemissionen durch Erhöhung der Auslastungsraten sowie Reduzierung von Leerfahrten verringern können. Basis des Modells sind kartellrechtskonforme Kollaborationsnetzwerke, die auf dem NexTrust-Protokoll aufbauen. Das Ziel: "trusted" Transportnetzwerke mit gleichberechtigten Partnern, möglicherweise sogar Wettbewerbern.

Die wichtigste Innovation des neuen Geschäftsmodells ist die neutrale Trustee-Funktion, die die Einhaltung des Wettbewerbsrechts inklusive der Berückssichtigung von unternehmensinternen Compliance-Regeln gewährleistet. Insbesondere war es wichtig, den Austausch nicht kommerziell sensibler Informationen zwischen vertrauenswürdigen Kooperationspartnern zu ermöglichen. „In jeder unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit muss sichergestellt werden, dass ein gesetzeskonformes Handeln insbesondere unter Berücksichtigung des Kartellrechts einwandfrei möglich ist. Zusammen mit den NexTrust-Partnern haben wir als multidisziplinäre Anwaltskanzlei ein Kollaborationsmodell etabliert, das für alle Beteiligten rechtssicher und gleichzeitig wirtschaftlich praktikabel ist“, erläutert Jikke Biermasz von Kneppelhout & Korthals Lawyers.

Innerhalb der 42-monatigen Projektdauer nahmen mehr als 90 Akteure aus der Wirtschaft an über 40 Pilotanwendungen teil. Über 40 Verlader, Hersteller, Händler und 50 Transportunternehmen arbeiteten aktiv an der Entwicklung von Szenarien zur Bündelung des Frachtvolumens. Leerfahrten sollten reduziert und Lasten von der Straße auf umweltfreundliche Transportmittel wie intermodalen Schienen- und Binnenschiffsverkehr verlagert werden. „Mit NexTrust haben wir ein breites Spektrum an Pilotanwendungen abgedeckt. Stückgut- und Ganzladungsverkehre sowie die Optimierung des kombinierten Verkehrs waren ebenso im Fokus wie die Letzte-Meile-Logistik für E-Commerce-Sendungen“, sagt Bernd Weisweiler, Leiter des Projektmanagements des NexTrust-Projektkoordinator TX Logistik AG. „Daher ist es sehr wichtig, alle Partner in Einklang miteinander zu bringen, das Netzwerk aufzubauen und gemeinsam Chancen zu erkennen“, so Weisweiler weiter. Mike Bogen von Giventis International, der als Trustee mehrere Pilotprojekte betreute, ergänzt: „Das Konzept für solche Kollaborationen besteht seit über einem Jahrzehnt. Doch bislang konnten nur kleine Pilotanwendungen das wahre Potenzial zeigen. Jetzt konnten wir feststellen, dass Kollaboration in großem Maßstab und europaweit einen enorm positiven Beitrag leisten kann und diese Form der Zusammenarbeit in der Transportbranche zum Standard werden sollte. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht, denn aus den Piloten sind konkrete Geschäftsansätze entstanden, die nach Projektende weitergeführt werden.“

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Interessierte Unternehmen finden alle öffentlichen Berichte, Fallstudien und Videos unter www.nextrust-project.eu.

40 Pilotprojekte - vier Pilotkategorien:


Pilotkategorie 1 – Bündelung von Teilladungen zur Vollauslastung

Innerhalb der LTL-Kategorie hat eine neue Multi-Supplier/Multi-Retailer-Plattform positive Resultate erzielt. Eine Schlüsselkomponente für dieses Pilotprojekt war ein kooperierendes 3PL-Lager, das als Konsolidierungszentrum für die Teilnehmer fungierte. Hier hält jeder Lieferant einen bestimmten Lagerbestand vor. Einzelhändler können den Lagerbestand prüfen und volle Lkw mit einem Mix von Produkten verschiedener Anbieter auf der Plattform bestellen. Plattformen auf denen Hersteller derselben Produktkategorie anliefern, sind nicht neu. Sie werden jedoch meist von einem einzigen Händler organisiert. Der Ansatz dieses Pilotprojekts jedoch war aufgrund der Neutralität gegenüber den Partnern Vondelmolen, Vermeiren Princeps, Poppies und Desobry sowie Delhaize Le Lion/De Leeuw, Colruyt, OKay und Einzelhandelspartner Colruyt Group RPCG eine Innovation mit Ergebnissen, die überzeugen:

• 16,6 Prozent weniger Treibhausgasemissionen
• Erhöhung der Anzahl voller LKW-Ladungen von 48 auf 91 Prozent

Die Tiefkühlkosthersteller Ysco, Greenyard und Agristo bedienen den europäischen Markt aus der Benelux-Region heraus. Sie arbeiteten in einem weiteren LTL-Projekt mit 4PL Control Tower-Anbieter SmartWay Logistics zusammen, um Teilsendungen aus der Region Flandern zu bündeln, die für Händler in Deutschland und Österreich bestimmt waren. Dadurch entstanden nachhaltigere Full Truck Load (FTL)-Transporte mit signifikanten Ergebnissen:

• 45 Prozent weniger Treibhausgasemissionen
• 153 volle LKW anstatt wie vor dem Piloten 19
• Fast 50 Prozent Einsparung von Transportkilometern

Eine im wahrsten Sinne des Wortes elektrisierende Pilotumsetzung in Großbritannien demonstrierte das Potenzial, 30 Prozent der Straßenfahrten zu vermeiden und die Treibhausgasemissionen um bis zu 95 Prozent zu senken. Das Projekt Cool Running setzte auf Elektrofahrzeuge sowie Konsolidierungszentren für die Versorgung Londons mit gekühlter Ware wie frischem Obst und Gemüse. Die Ergebnisse könnten andere Großstädte für ähnliche Lösungen überzeugen:

• 95 Prozent weniger Treibhausgasemissionen
• 30 Prozent weniger Lieferfahrzeuge auf Londons Straßen
• um 50 Prozent erhöhter Lastfaktor

Disclaimer

Disclaimer

Diese Veröffentlichung wurde mit finanzieller Unterstützung von Horizon 2020, dem Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, erstellt. Die Verantwortung für die Inhalte dieser Veröffentlichung liegen bei den Autoren und die Inhalte spiegeln nicht die Meinung der Europäischen Kommission wieder.

Pilotkategorien 2 und 3 – Optimierung von Transportströmen, einschließlich der Verlagerung von Straße auf intermodalen Transport

Mehrere Verlader mit strukturellen Komplettladungen (FTL) haben sich den FTL-Pilotanwendungen angeschlossen, um die Anzahl an Leerfahrten zu reduzieren und proaktiv ein neues, effizienteres Netzwerk für eine Zusammenarbeit zu schaffen. Zu den beteiligten Verladern gehörten das Snack-Unternehmen Mondelēz International mit Marken wie Oreo, Cadbury und Milka-Schokolade sowie andere Verlader wie Unilever, Panasonic, Beiersdorf, Kimberly Clark, Ysco, Greenyard, Iglo-Nomad, Danone Waters und Diageo. Sie richteten auf der Basis des Trustee-Models mehrere Pilotverkehre in ganz Europa ein, in denen eng mit zahlreichen Transportunternehmen zusammengearbeitet wurde, um die neuen, effizienten Frachtnetze zu synchronisieren und das Geschäftsmodell zu validieren. So kam es das erste Mal in der europäischen Logistikgeschichte zu einer aktiven Zusammenarbeit von Herstellern bzw. Verladern in einem derart großen Umfang: Während der Projektlaufzeit von 2016 bis 2018 wurden jährlich 210.000 LKW-Sendungen ausgeschrieben, um den Aufbau von 1.045 kollaborativen Frachtstrecken in ganz Europa umzusetzen. Die Ergebnisse zeigten Einsparungen im Bereich von:

• 3,4 Millionen Tonnen Einsparungen von Treibhausgasemissionen
• Vermeidung von 3,7 Millionen Fahrzeugkilometern

Erhebliches Potential zeigte die Verlagerung von der Straße auf intermodale Verkehrsträger. Allein im Datenbestand von NexTrust wurde über eine halbe Million LKW-Sendungen p.a. identifiziert, die grundsätzlich auf der Schiene befördert werden könnten. Durchgeführte Pilotprojekte haben bewiesen, dass bei dem Transport auf der Schiene CO2 Einsparungen von bis zu 70 Prozent möglich sind.

Pilotkategorie 4 – E-Commerce „Letzte Meile“

Der E-Commerce boomt und das hat erheblichen Einfluss auf die „letzte Meile“. So weiten die traditionellen KEP-Dienstleister ihre Zustellflotten kontinuierlich aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Verstopfte Straßen, Staus und Luftverschmutzung insbesondere durch Feinstaub sind die Folge. Gleichzeitig exisitiert eine beträchtliche Anzahl von nicht ausgelasteten Nutzfahrzeugen außerhalb der Hauptzustellzeiten. Die E-Commerce-Piloten unter der Leitung der Fiege Logistik Stiftung & Co. KG zielten darauf ab, diese firmeneigenen Fahrzeuge außerhalb der regulären Arbeitszeit für E-Commerce-Lieferungen zu nutzen. Dafür baute Fiege ein Crowdsourcing-Netzwerk von Fahrzeugen und Fahrern über eine IT-Plattform inkl. Fahrer-App auf. Ganz oben auf der Agenda: Same Day Delivery und mehr Kundenzufriedenheit durch flexible Zustellzeiten bis 23:00 Uhr. Weitere Informationen zu Angel: https://nextrust.fiege.com/de/

Wie wurden die Einsparungen der Treibhausgasemissionen berechnet? Bisher gibt es keinen weltweit anerkannten Standard für die Berechnung der Treibhausgasemissionen, einschließlich CO2, entlang der Lieferketten. Der Global Logistics Emission Council (GLEC) schlägt eine Methode vor, um die allgemeine Marktakzeptanz von Richtlinien zur Berechnung der Nachhaltigkeit in Kooperationen zu erhöhen. Zum ersten Mal nutzte die Freie Universität von Amsterdam (Vrije Universiteit Amsterdam, VU Amsterdam) die GLEC-Richtlinie in den NexTrust-Piloten unter realen Bedingungen, um die Einsparungen der Treibhausgasemissionen zu berechnen.

Bildhinweis: NexTrust
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