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Nachhaltigkeit  |  05.04.2019

Haltbar oder nicht?

Der „FreshIndex“ soll Unternehmen und Verbrauchern künftig die tatsächliche Haltbarkeit von Lebensmitteln anzeigen. Das übergeordnete Ziel des gleichnamigen Forschungsprojekts: mehr Transparenz entlang der Lieferkette und weniger unnötige Lebensmittelentsorgung. Die ersten Meilensteine sind bereits erreicht.

Über das Projekt „FreshIndex“

Über das Projekt „FreshIndex“

Projektlaufzeit: Januar 2018 bis Dezember 2019

Projektpartner: arconsis (Simulationsmodelle), GS1 Germany (Identifikation), Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (Kundenakzeptanz), Metro (Großhandel), tsenso (Sensoren), Universität Bonn (Hygiene-/Messdaten), bwcon (Koordination)

Weitere Informationen: www.freshindex.org

Millionen Lebensmittel landen täglich im Müll. Nicht selten ist der Grund dafür ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung in Kombination mit unzureichenden Informationen über die tatsächliche Haltbarkeit des Lebensmittels. Diese wird von unterschiedlichen Faktoren entlang der Lieferkette bis hin zum Kühlschrank des Verbrauchers beeinflusst. Unter anderem stellen der sichere Transport und die richtige Lagerung von Lebensmitteln eine große Herausforderung dar. So kann beispielsweise schon eine kurze Unterbrechung der Kühlkette die Qualität ganzer Produktchargen beeinträchtigen. Doch zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort den Zustand und die Haltbarkeit eines Lebensmittels prüfen zu können, klingt für viele noch nach Zukunftsmusik. Voraussetzung ist zum einen die lückenlose Rückverfolgbarkeit eines individuellen Produkts und zum anderen die Verfügbarkeit von spezifischen Daten über seinen tatsächlichen Zustand. Aber aus der Theorie könnte bald schon Realität werden.

Das Forschungsprojekt „FreshIndex“ befasst sich seit Anfang 2018 mit der Erarbeitung einer Lösung zur Berechnung der Lebensmittel-Haltbarkeit in Echtzeit als Ergänzung zum statischen Mindesthaltbarkeitsdatum. Der Frischegrad eines Lebensmittels soll dabei als Zahl abgebildet werden – je höher der Wert, desto frischer das Produkt und desto länger seine Haltbarkeit. Basis für die Berechnung dieses Faktors sind zum einen die Hygienedaten der Hersteller und zum anderen die tatsächlichen Transport- und Lagerbedingungen eines Lebensmittels. Die Daten sollen künftig von den Akteuren entlang der Lieferkette in der FreshIndex-Cloud gespeichert und jederzeit wieder abgerufen werden können – ganz einfach per Smartphone App. Auf diese Weise soll sich an jeder Stelle der Lieferkette eine Aussage über den aktuellen Zustand und die Frische eines Produkts treffen lassen können. Übergeordnetes Ziel der sieben Projektpartner unter der Leitung von tsenso ist es, mehr Transparenz entlang der Lieferkette zu schaffen und die Versorgung mit Lebensmitteln ökonomisch und ökologisch zu optimieren.

Frische per Klick

Frische per Klick

Der FreshIndex eines Produkts soll sich ganz einfach per App auslesen lassen.

Die Basis für den Praxistest steht

Am Beispiel der Schweinefleischproduktion wollen die Unternehmen bis Jahresende die praktische Umsetzung des FreshIndex erproben. Der konzeptionelle Rahmen für die geplanten Praxistests steht bereits und die ersten Meilensteine erreicht. In den bisherigen Projektphasen haben die Partner unter anderem die Anforderungen an Prozesse, Daten und Technologien erarbeitet.

Die Prozessbeteiligten

Die zu betrachtende Lieferkette im Projekt deckt den Bereich von der Produktion bzw. Verpackung des Schweinefleischs bis zum Wareneingang des Händlers ab. Die einbezogenen Akteure reichen von fleischverarbeitenden Unternehmen bzw. Herstellern über Großhändler und Einzelhändler bis hin zu Großverbrauchern wie Restaurants und Hotels.

Die richtigen Daten

Drei Datentypen sind für die Berechnung des FreshIndex zu berücksichtigen: statische Daten zu den relevanten Produkteigenschaften (zum Beispiel Hygienedaten vor dem Verpacken), dynamische Daten aus der Produktion (zum Beispiel Produktdaten während des Produktionsprozesses) sowie dynamische Daten entlang der Lieferkette (zum Beispiel Sensordaten mit der Temperatur während des Transports).

GS1 Standards als Grundlage

Um eine durchgängige Erfassung qualitäts- und zustandsrelevanter Daten zu ermöglichen, müssen die Traceability-, Sensor- und Qualitätsdaten aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung dafür ist eine Cloud, die alle Daten erhält und den FreshIndex ermittelt sowie eine gemeinsame Sprache der Unternehmen in Form von Standards: standardisierte Datenformate und Schnittstellen für eine reibungslose, digitale Datenerfassung und deren Austausch. Im Rahmen des Projekts kommen GS1 Standards zum Einsatz: Mit Hilfe der GS1 Idente lassen sich Produkte und Lokationen eindeutig identifizieren. Die Übertragung der Daten aus der Lieferkette in die Cloud wird mit dem Standard EPCIS realisiert, sodass jeder Beteiligte in der Lieferkette den aktuellen FreshIndex jederzeit abrufen kann.

Technologische Voraussetzungen

Neben den genannten Standards sind weitere Technologien wie Sensoren, Scanner oder Datenbanktechnologien (Cloud) erforderlich, um innerhalb der definierten Lieferkette einen FreshIndex für ein individuelles Objekt berechnen und abrufen zu können.

Von der Theorie in die Praxis

Bis zum Jahresende plant das Projektteam die Umsetzung von Praxistests bzw. Simulationen, die Auskunft über die Möglichkeit einer tatsächlichen Markteinführung des FreshIndex geben sollen.

Noch haltbar oder nicht?

Obwohl der Begriff für sich spricht, wird das Mindesthaltbarkeitsdatum vom Verbraucher oft mit dem Begriff des Verfallsdatums gleichgesetzt. Eine Verwechslung, die einen erheblichen Anteil des entstehenden Mülls in Privathaushalten ausmacht. Weitere Informationen: www.mindesthaltbarkeitsdatum.de

Bildhinweis: FreshIndex
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