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Mobile Payment  |  06.12.2018

Die Handelsbranche forciert eigene Mobile Payment-Lösung

Im kommenden Jahr soll die von GS1 Germany und HDE initiierte Instant-Payment-Anwendung Hippos am POS getestet werden.

Nächstes Jahr ist es soweit: Im ersten Halbjahr wird die neu entwickelte Mobile Payment-Lösung Hippos live am stationären POS und in den E-Commerce-Shops der Pilotpartner aus dem Handel getestet. Damit tritt das von GS1 Germany und dem HDE initiierte Projekt in eine spannende Phase. Ziel des Pilots ist es, zu testen, ob Hippos (=Händlerinitiiertes Instant Payment am POS) die Voraussetzungen erfüllt, um sich als neues Bezahlverfahren zu etablieren. Dies kann nur gelingen, wenn die Zahlung für die Kunden an der Kasse einfach, sicher, schnell und komfortabel durchzuführen ist.

Kunde löst Zahlvorgang aus
Die neue Lösung basiert auf dem Sepa-Standard SCTInst der Europäischen Zentralbank, mit dem Überweisungen an 365 Tagen im Jahr in Echtzeit abgewickelt werden können. Das Besondere an Hippos: Im Vergleich zu anderen unbaren Zahlungstransaktionen, wird der Zahlungsvorgang vom Kunden ausgelöst. Er aktiviert auf seinem Smartphone die Bezahl-App, in der Hippos als digitales Bezahlmittel hinterlegt ist, und bestätigt die Echtzeit-Überweisung des fälligen Bonbetrags per PIN oder Biometrie. Die Transaktion wird per NFC oder QR-Code abgewickelt. Der Kunde greift somit über die App auf die Zahlungsdaten des Händlers zu und nicht umgekehrt; ein wichtiger Aspekt für den Schutz der Zahlungsdaten des Verbrauchers.

Beiträge werden sofort gutgeschrieben
Für die Handelsunternehmen hat dieses Verfahren den großen Vorteil, dass die Beträge sofort gutgeschrieben bekommen. Sie haben folglich kein Zahlungsausfallrisiko, da die Überweisung nur bei ausreichender Liquidität ausgeführt wird. Außerdem entfallen bei Hippos, so wie es bisher geplant ist, Interchange- oder Scheme-Gebühren. Das Interesse auf Handelsseite, dieses Verfahren als Alternative zu anderen unbaren Zahlungsverfahren zu etablieren, ist entsprechend groß.

Zahlungsverkehr disruptiv denken
Fakt ist: Der Markt für Zahlungssysteme ist in Bewegung. Der Anteil, der Transaktionen, die mit dem Smartphone bezahlt werden, wird immer höher. Nicht zuletzt auch durch die Aktivitäten global agierender Anbieter wie Amazon Pay, Paypal, Google Pay, Apple Pay und Alipay, die für viel Dynamik sorgen. Umso wichtiger ist für den HDE als Branchenverband die Forcierung einer unabhängigen und unternehmensübergreifenden Mobile Payment-Lösung, die von den Verbrauchern für die sichere Abwicklung von Massenzahlungen im Alltag genutzt werden kann – und zwar sowohl für Smartphone-Zahlungen im E-Commerce, an den stationären POS als auch bei Person-zu-Person-Transaktionen (P2P).
Letztlich geht es langfristig sogar mehr als nur um ein neues Bezahlverfahren in Echtzeit. Es geht auch darum, dies betont der HDE, Zahlungsverkehr disruptiv zu denken und neue Lösungen zu entwickeln, die das Bezahlen unabhängig von bestehenden Strukturen und marktdominierenden Zahlungsanbietern ermöglichen. Zusammen mit GS1 Germany wurde deshalb vor zwei Jahren das Projekt Hippos gestartet, um gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Handel, Banken und Dienstleistern die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen zu prüfen und eine innovative Lösung zu entwickeln, die auch den regulatorischen Vorgaben im Hinblick auf die starke Authentifizierung gerecht wird.

Erste Meilensteine erreicht
Ob dies gelungen ist, wird sich im nächsten Jahr zeigen, wenn Hippos sich im Live-Test bewähren muss. Bis dahin steht für die Projektteilnehmer noch viel Detailarbeit an. So müssen beispielsweise Banken den Sepa-Standard SCTInst flächendeckend anbieten, damit Verbraucher diesen Service in der Breite nutzen können. Zudem gilt es, an der Schnittstelle zwischen Banken und Handel die technischen Voraussetzungen für eine Echtzeitzahlung zu schaffen, um eine fehlerfreie Übertragung von SCTInst-Transaktionen zu ermöglichen.
Viele Meilensteine wurden aber auch schon erreicht. Dazu gehören zum Beispiel die technische Spezifikation und die detaillierte Prozessbeschreibung für die Nutzung am POS, im E-Commerce und bei P2P. Ebenso die Ausgestaltung des Transaktionsablaufs zwischen Kasse bzw. Zahlungsterminal und Smartphone via NFC - und das jeweils sowohl für Android- als auch für iOS-Nutzer, also Apple-Kunden. Neben der reinen Payment-Transaktion gibt es darüber hinaus erste Überlegungen für Mehrwertdienste wie Coupons, Loyalty und Geschenkgutscheine.


Klar ist, dass die Anzahl der Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette und damit die Komplexität bei der Hippos-Lösung erheblich reduziert werden. Im Gegensatz zur klassischen Kartenzahlung, an der Netzbetreiber, kreditwirtschaftlichen Unternehmen und Kopfstellen beteiligt sind, sind bei der Echtzeit-Überweisung des Hippos-Verfahrens lediglich die Kundenbank und die Geschäftsbank involviert. Außerdem entfällt die Notwendigkeit von klassischen Akzeptanzverträgen.

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