Omnichannel in der Food-Branche steckt noch in den Kinderschuhen. Es gilt Wissen zu bündeln und kooperativ Lösungen zu entwickeln.
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E-Commerce  |  04.09.2017

Alle für den Omnichannel

Amazon, All you need, mytime – große Plattformen und vormals kleine Start-ups revolutionieren die Lebensmittelbranche. Der etablierte, stationäre Handel könnte mitmischen. Aber dafür braucht es mehr Kooperation.

Der Food-Onlinehandel entwickelt sich rasant. Was sich schon lange abzeichnete, überrollt nun mit immenser Kraft den deutschen stationären Lebensmittelhandel. Online ist real. Omnichannel ist im Alltag der Konsumenten verankert, und ihre Bedürfnisse werden bereits bedient – von Vorreitern und Start-ups. Bereits im Jahr 2016 kauften laut Eurostat 19 Prozent der Deutschen ihre Lebensmittel online ein – 8 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Ob stationär oder online: Händler, Hersteller und Logistikdienstleister sind mehr denn je gefordert, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Die Antwort liegt in der konstruktiven Zusammenarbeit. Laut Bitkom setzen bereits vier von fünf Unternehmen in Deutschland auf unternehmensübergreifende Kooperationen, um ihre digitale Kompetenz zu stärken. Denn sie bieten die Möglichkeit, voneinander zu lernen, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und Investitionen gemeinsam zu schultern. Gleichzeitig sehen sich 77 Prozent der deutschen Händler als digitale Nachzügler – jeder dritte stationäre Händler hat nicht einmal eine eigene Webpräsenz. Doch das ist erst die Spitze des Eisbergs.

Gut verpackt beim Kunden punkten

Was Wasserkästen in der Getränkelogistik bereits leisten, könnten Mehrwegtransportverpackungen auch im E-Commerce schaffen. Allein eine optimierte Verpackungsgröße kann zu Kostenersparnissen von rund 60 Prozent führen, zeigt eine Studie des Verpackungsherstellers STI Group. Einwegverpackungen vermeiden und die Anforderungen an Sicherheit und Frische erfüllen, lautet die Devise. Möglich wird dies etwa durch standardisierte, größenvariable Transportverpackungen. Wer zudem auf Mehrweg setzt, kann Abfälle reduzieren und die CO2-Bilanz verbessern.

Es geht ums Ganze, nicht nur um Online

Die Fragen, mit denen sich Unternehmen dringend auseinandersetzen müssen, umfassen die Organisation der gesamten Lieferkette. So zum Beispiel: Wie lässt sich die Warenverfügbarkeit in allen Kanälen sicherstellen? Wie kann flächendeckend eine effiziente Infrastruktur für die letzte Meile aufgebaut werden? Wie realisiert man eine lückenlose Kühlkette und die Erhaltung der Qualität bei Ultrafrische? Was erfordert eine Zeitfensterzustellung und wie lässt sich Verpackungsmüll reduzieren?

Hinzu kommt: Finanziell lohnt sich das Konzept von Onlinebestellung und Auslieferung noch nicht. Unternehmen müssen ihre Kosten an die Kunden weitergeben. Die Folgen im preissensiblen deutschen Lebensmittelhandel sind zwangsläufig Mindestbestellwerte oder Lieferkosten. Doch leisten können sich kostenfreie Services bislang nur diejenigen, denen beispielsweise ein Mutterkonzern finanzielle Rückendeckung gibt.

Klar ist: Am Ende steht und fällt alles damit, das Bedürfnis der Kunden nach einem einfachen, komfortablen Einkaufserlebnis zu erfüllen. Es ist nicht zielführend, proprietäre Lösungen durchzusetzen oder schnell irgendeinen Online-Service wie etwa Click & Collect aus dem Boden zu stampfen, der die Problematik der Auslieferung ausblendet. Notwendig ist eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit. Die großen Supermarktketten sammeln bereits Erfahrungen im Omnichannel-Business. Darum sollte die Branche jetzt ihr Wissen bündeln und einheitliche, standardisierte Prozesse und Lösungen definieren – die Basis, um die Bedürfnisse der Konsumenten Schritt für Schritt zu erfüllen. Alle für den Omnichannel.

Bildhinweis: Adobe Stock
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