Der Barcode wird auch künftig der bestimmende Identifikationsstandard bleiben, jedoch eine Transformation erfahren.
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Barcodes  |  14.03.2016

Barcodes in Zukunft unsichtbar?

Der Barcode durchläuft eine Evolution. Steigende Anforderungen aufseiten von Verbrauchern und dem Gesetzgeber sowie neue, durch den Onlinehandel bedingte Erfordernisse verlangen nach neuen Technologien der Identifikation. Der Trend geht zum adaptiven und sogar unsichtbaren Barcode.

Im Jahr 2015 titelte die Nachrichtenagentur Reuters zum angeblichen Ende des Barcodes – eine Meldung, die aus einem Missverständnis heraus entstanden war. Der Barcode wird auch künftig der bestimmende Identifikationsstandard bleiben, jedoch wird er eine Transformation erfahren, um nicht nur den heutigen, sondern vor allem den zukünftigen Anforderungen von Handel und Industrie gerecht zu werden. Während der klassische Barcode ausschließlich der Artikelidentifikation dient, ermöglichen neue Barcodetypen den zusätzlichen Abruf von weiteren Informationen. So können zum Beispiel einzelne Chargen oder das Mindesthaltbarkeitsdatum identifiziert werden. Auch eine Serialisierung ist in Zukunft möglich. Verbraucher, die die Möglichkeit des Scannens mit mobilen Geräten nutzen, verlangen nach immer mehr Produktinformationen. Und der Gesetzgeber fordert mehr Traceability-Daten. Daneben gewinnt das Internet als Bezugsquelle für Lebensmittel an Bedeutung. Folglich müssen zunehmend mehr Informationen für immer mehr Zielgruppen geliefert werden. Gelöst wird das zurzeit über zusätzliche Codes auf der Verpackung. Neben dem handelsüblichen Barcode tauchen dort mehr und mehr QR-Codes oder der GS1 DataMatrix auf.

"GS1 Germany wird unsichtbare Barcodes auf Herz und Nieren prüfen." 

Datenträger als Alleskönner

GS1 arbeitet auf globaler Ebene an einer einheitlichen Lösung für all die genannten Anforderungen. Die Idee: der Datenträger der Zukunft als Alleskönner. Dr. Andreas Füßler, Leiter Systemarchitektur bei GS1 Germany, erklärt: „Der Datenträger der Zukunft enthält alle gewünschten Daten und ermöglicht das Scannen entlang der Supply Chain ebenso wie die Abfrage von Informationen mit dem Smartphone im Geschäft. Dieser Alleskönner ist für Konsumenten leicht zu finden und lässt trotzdem der Marke auf der Verpackung vollen Gestaltungsraum.“ Im Gespräch ist eine Lösung zur Artikelidentifikation, mit der selbst geringste Produktvariationen über einen einzelnen Barcode unterschieden werden können.Die neueste Entwicklung, die derzeit einiges Aufsehen in der Branche erzeugt, ist der unsichtbare Barcode. Diese Neuentwicklung von Digimarc aus den USA ist mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Denn hier werden klassische Barcodes als Wasserzeichen-Gitternetz auf die gesamte Verpackung gedruckt. Erste Einschätzungen seitens amerikanischer Händler machen deutlich, dass der unsichtbare Barcode bedeutende operationale Vorteile für ihr Geschäft bietet. GS1 hat daher eine Zusammenarbeit mit der Digimarc Corporation vereinbart, um Industrie und Handel die Möglichkeit zu geben, die neue Barcode-Technologie zu testen. In Deutschland zeigt sich die Branche noch zurückhaltend. Insbesondere wird die höhere Scanrate hinterfragt. Zudem ist unklar, wie Lesefehler erkannt werden können oder lose Ware zu kennzeichnen ist. GS1 Germany wird hierzu in seinem Kölner Knowledge Center einen Use Case installieren, um den „Unsichtbaren“ auf Herz und Nieren zu prüfen.

Damit Produkte den Verbraucher finden

Mehr Geschwindigkeit auf Produktionsseite versprechen auch die neu entwickelten Dot Codes. Mithilfe dieser matrixähnlichen Codes können serialisierte Idente auch in Hochgeschwindigkeit aufgedruckt werden. Eines haben alle Entwicklungen gemeinsam: Es ändert sich lediglich der Datenträger. Die Idente bleiben gleich, maximal erweitert um zusätzliche Informationen. Selbst fortschrittliche Bilderkennungsverfahren, die gänzlich auf Codes verzichten, müssen die Bilder schlussendlich mit einer Produktidentifikation verknüpfen, um weitere Informationen liefern zu können. Einen weiteren Schritt in Richtung virtuelle Identifikation geht bereits der Standard GS1 SmartSearch. Derzeit im Test, soll er künftig Produkte, Unternehmen und jegliche Informationen dazu im Internet besser auffindbar machen.Die technologische Evolution hat gezeigt, dass Formate nicht mehr der limitierende Faktor sind. Schon heute lesen Apps nahezu jeden ein- oder zweidimensionalen Code. Es ist also weniger die Frage ob, sondern vielmehr wann jede Art von Code gelesen werden kann. Dies wiederum ist abhängig vom Zeitpunkt der Investitionsbereitschaft von Industrie und Handel. Fest steht: Mit den Anforderungen ändern sich auch die Geschäftsmodelle. In der Konsequenz folgen Produkte, Dienstleistungen oder deren Wege zum Konsumenten ihren persönlichen Identitäten in Form von Profilen. In Zukunft werden Verbraucher nicht mehr Produkte suchen, sondern Produkte werden Verbraucher finden. Der Schlüssel dazu sind eindeutige Idente. Es lohnt sich daher, weniger in Datenträgern als vielmehr in Inhalten zu denken.

Fotos: Digimarc
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